U-Bahn München Blog

1. Februar 2015

Vor 50 Jahren: Baustart für die Münchner U-Bahn

Autor: Frederik Buchleitner — Abgelegt unter: Geschichte — 23:10

Heute vor 50 Jahren begann in München der U-Bahnbau. Ohne den Bau der U-Bahn wäre München heute sicherlich im Verkehrschaos erstickt. Über 380 Millionen Fahrgäste transportieren die acht Linien derzeit jährlich.

Vor exakt 50 Jahren erfolgte der Rammstoß am heutigen U-Bahnhof Nordfriedhof. Der damalige Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel begleitet das Ereignis (Archiv: FMTM e.V.)

Vor exakt 50 Jahren erfolgte der Rammstoß am heutigen U-Bahnhof Nordfriedhof. Der damalige Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel begleitet das Ereignis (Archiv: FMTM e.V.)

Am 1. Februar 1965 setzten der damalige Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und der bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel den ersten Spatenstich am U-Bahnhof Schenkendorfstraße, heute Nordfriedhof. Die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 1972 nach München gaben den Bautätigkeiten noch einen zusätzlichen Schub. Bereits ab 1967 fanden zwischen Studentenstadt und Alte Heide die ersten Probefahrten statt, bevor am 19. Oktober 1971 die U6 zwischen Kieferngarten und Goetheplatz feierlich eröffnet wurde.

Im Juli 1965 wird an der Kreuzung Ungerer-/Schenkendorfstraße schon kräftig gebaut. Die Trambahn wird über eine provisorische Trasse zum Betriebshof 4 und weiter zur Johann-Fichte-Straße umgeleitet (Archiv: FMTM e.V.)

Im Juli 1965 wird an der Kreuzung Ungerer-/Schenkendorfstraße schon kräftig gebaut. Die Trambahn wird über eine provisorische Trasse zum Betriebshof 4 und weiter zur Johann-Fichte-Straße umgeleitet (Archiv: FMTM e.V.)

Im März 1966 laufen die Bauarbeiten an der Schenkendorfstraße bereits auf Hochtouren. Immerhin sollte bereits eineinhalb Jahre später der erste öffentliche Probebetrieb starten. Wir sehen den M5-Wagen 977 auf der Fahrt zur nahegelegenen Schleife am Nordfriedhof (Bild: Peter Wagner/Archiv: FMTM e.V.)

Im März 1966 laufen die Bauarbeiten an der Schenkendorfstraße bereits auf Hochtouren. Immerhin sollte bereits eineinhalb Jahre später der erste öffentliche Probebetrieb starten. Wir sehen den M5-Wagen 977 auf der Fahrt zur nahegelegenen Schleife am Nordfriedhof (Bild: Peter Wagner/Archiv: FMTM e.V.)

Ideen für die Einrichtung einer U-Bahn gab es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, diese gingen jedoch nie über das Planungsstadium hinaus.
1935 verlieh das NS-Regime München den Titel ‚Hauptstadt der Bewegung‘; gleichzeitig wurden Pläne geschmiedet die ‚antiquierte‘ Trambahn durch S-Bahnen zu ersetzen. Drei Jahre später erfolgte in der Lindwurmstraße der erste Spatenstich. Der Zweite Weltkrieg machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung und der Tunnel verfiel in einen Dornröschenschlaf. Dieses Tunnelstück ist heute ein Strekenabschnitt der U-Bahn-Linien U3/6.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Planungen wieder aufgenommen, allerdings entbrannte ein Streit darüber ob die Bundesbahn (S-Bahn) oder die Stadt München (U-Bahn) die sogenannte ‚klassische Trasse‘ zwischen Haupt- und Ostbahnhof bauen und betreiben darf. Nachdem sich abzeichnete, dass eine Tarifgemeinschaft (MVV) gegründet wird, wurde diese Strecke an die Bahn abgegeben.

Rechtzeitig zu den XX. Olympischen Sommerspielen kam im Mai 1972 die U3 zum Olympiazentrum hinzu. 1980 wurde die zweite U-Bahn-Stammstrecke der U1/8 eröffnet. Die U8 wurde später in U2 umbenannt. 1984 gesellten sich die Ost-West-Linien U5/9 und damit die dritte Stammstrecke hinzu. Noch vor der Eröffnung der geplanten U9 wurde sie in U4 umbenannt; somit waren alle Liniennummern zwischen U1 und U6 vergeben.
Das U-Bahnnetz dehnte sich nach und nach weiter aus; 1995 wurde die Stadtgrenze überquert und die Stadt Garching erhielt Anschluss ans Netz. Mit der Verlängerung der U3 vom Olympia-Einkaufszentrum nach Moosach wurde der U-Bahn-Bau vorläufig abgeschlossen.

Aktuell besitzt das 95 Kilometer lange Netz genau 100 Bahnhöfe; 564 U-Bahn-Wagen sind auf acht U-Bahnlinien unterwegs. Zuwachs bekommt der Wagenpark derzeit durch 21 neue Züge des Typs C2, welche sich allerdings noch in der Zulassung und Inbetriebnahme befinden. Neben den Verlängerungen nach Pasing (U5) und Martinsried (U6) gibt es Pläne für eine als U9 bezeichnete ‚Innenstadtspange‘.
Oberbürgermeister Dieter Reiter dazu: “Ohne die U-Bahn würde München nicht funktionieren. Sie bildet heute das Rückgrat unseres Verkehrssystems. Der weitere Ausbau hat daher für die Stadt oberste Priorität.

Am 19. Oktober 1968 durften die Münchnerinnen und Münchner erstmals die neue U-Bahn 'beschnuppern' (Archiv: FMTM e.V.)

Am 19. Oktober 1968 durften die Münchnerinnen und Münchner erstmals die neue U-Bahn ‚beschnuppern‘ (Archiv: FMTM e.V.)

Im Pendelbetrieb fuhr der erste Langzug, bestehend aus den Wagennummern 6001a+b/6002a+b/6003a+b (später 6091/7091/6092/7092/6093/7093) zwischen Nordfriedhof und Studentenstadt (Archiv: FMTM e.V.)

Im Pendelbetrieb fuhr der erste Langzug, bestehend aus den Wagennummern 6001a+b/6002a+b/6003a+b (später 6091/7091/6092/7092/6093/7093) zwischen Nordfriedhof und Studentenstadt (Archiv: FMTM e.V.)

Noch heute erinnert an der Oberfläche des U-Bahnhofs Nordfriedhof ein Denkmal an den Baubeginn

Noch heute erinnert an der Oberfläche des U-Bahnhofs Nordfriedhof ein Denkmal an den Baubeginn (Bild: Frederik Buchleitner)

Auf Youtube findet sich ein hochinteressanter Film aus der Bauzeit der Münchner U-Bahn.


Mit freundlicher Unterstützung von Tramreport.de und den Freunden des Münchner Trambahnmuseums e.V.

8. Oktober 2011

40 Jahre U-Bahn und andere Jubiläen – MVG-Jubiläumsfeier

Autor: Florian Schütz — Abgelegt unter: Betrieb,Geschichte — 11:32

München mag Am Samstag, 22. Oktober 2011, feiert der Münchner Nahverkehr gleich drei Jubiläen:
150 Jahre Nahverkehr für München, 135 Jahre Tram und 40 Jahre U-Bahn.

Der Tag steht damit ganz im Zeichen des öffentlichen Nahverkehrs – mit einem Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von U-Bahn, Bus und Tram.

Hier das Programm des Tages

  • Gegen 9.45 Uhr: An der Haltestelle Theatinerstraße stellen sich historische Busse, Trambahnen und Pferdewagen zum Korso auf. Anschließend fährt der Festkorso über die Perusastraße durch die Maximilianstraße, vorbei an Max-II-Denkmal und Maximilianeum bis zum Max-Weber-Platz.
  • Von 11 bis 17 Uhr pendelt eine nostalgische Tram-Sonderlinie zwischen Max-Weber-Platz und Trambetriebshof. Vom Trambetriebshof fahren historische Busse zum MVG Museum und zurück.
  • Tag der offenen Tür in der Technischen Basis U-Bahn, Hans-Jensen-Weg 10: Alles Wissenswerte zur Münchner U-Bahn sowie eine Ausstellung von Sonderfahrzeugen erleben Sie auf dem großen Betriebsgelände in Fröttmaning.
  • Tag der offenen Tür im Trambetriebshof, Einsteinstraße 148: Hier bekommen Sie viele Informationen zu Fahrzeugen, Betrieb und Wartung von Trambahn und Bus.
  • Sonderöffnungstag im MVG Museum, Ständlerstraße 20: Münchner Verkehrshistorie zum Anfassen für die Großen, viele Kinderaktionen für die Kleinen. Erstmals gezeigt wird eine neue Ausstellung zu U-Bahnsystemen der Welt.

Alle Veranstaltungsorte haben zwischen 11 und 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

Festprogramm Technische Basis der U-Bahn

  • Hier werden die Weichen gestellt:
    Führungen durchs Lehrstellwerk, Gebäude 3; ab 11.30 Uhr jede halbe Stunde; Achtung: pro Führung maximal 20 Personen, Gruppeneinteilung vor Ort
  • Anfahren und Bremsen für Anfänger: U-Bahn-Fahrsimulator, Gebäude 9; ab 11.30 Uhr stündlich; Achtung: pro Führung maximal 10 Personen, Verlosung von Platzkarten vor Ort; nicht geeignet für Kinder unter 10 Jahren und Rollstuhlfahrer
  • Basis für 1.000 Pferdestärken:
    Rundgang durch den U-Bahnbetriebshof, Gebäude 11
    Keine Angst vor schweren Geräten: Rundgang durch die Hauptwerkstätte, Gebäude 20
  • Alles eine Frage der Ordnung:
    Rundgang durchs Hochregallager, Gebäude 18
  • Riesenstaubsauger Schlucki & Co.: Sonderfahrzeug-Ausstellung, hier darf jeder mal einsteigen
  • Wissenswertes rund um den Nahverkehr: Infos der Vereine, Verbände und U-Bahnwache
  • Eine U-Bahn entsteht:
    Entwicklung des neuen C2-Zugs, Gebäude 14
  • Hauptrolle für U-Bahn, Bus und Tram: Filmvorführungen zum Münchner Nahverkehr
  • Großer Spaß für die Kleinen:
    Hüpfburg, Kinderschminken, Basteln, BMX-Parcours
  • Zünftige Pausen:
    Speisen und Getränke in der Kantine und im Biergarten
  • Bühne frei:
    Musikalische Unterhaltung mit Live-Band

Weitere Informationen

mvg-mobil.de: München mag’s mobil – Große Jubiläumsfeier am 22. Oktober 2011

8. Mai 2010

Paolo Nestler – Ein Nachruf

Autor: Florian Schütz — Abgelegt unter: Geschichte,U-Bahnhöfe — 22:26

Vor wenigen Wochen ist einer der Pioniere der Münchner U-Bahn im Alter von 89 Jahren gestorben: Professor Paolo Nestler. Obwohl der Name vermutlich wenigen etwas sagt, kennt jeder Münchner zahlreiche seiner Bauwerke: Paolo Nestler zeichnet sich für eine Vielzahl an U-Bahnhöfen in München verantwortlich, darunter fast alle des 1971 eröffneten ersten Abschnitts der U6.

Die Liste der Bahnhöfe, für deren Gestaltung er sich verantwortlich zeichnet, ist lang:



Die meisten davon sind Teil der gemeinsamen Strecke der U3 und U6, bis auf Mangfallplatz sind sogar alle Teil der U6. Diese Linie ist also in besonderer Weise vom Werk Paolo Nestlers geprägt. Aus heutiger Sicht wirken viele der Bahnhöfe immer noch optisch ansprechend, auch wenn sie mittlerweile fast 40 Jahre alt sind. Anders als bei den ebenfalls sehr gleichartig gestalteten Bahnhöfen der 1980 eröffneten U8/1 haben sie einen gewisse Nüchternkeit behalten, die nicht altbacken wirkt. Die farbenfrohen Unterscheidungsmerkmale der großflächig mit glasierten Keramikelementen verkleideten Säulen wirken als frische Farbklekse als heiterer Kontrapunkt zu den sonst oft grauen Wänden.
Mit seinem Gestaltungsvorschlag gewann er im Dezember 1965 den ersten Preis des ausgelobten Architektenwettbewerbs. Sein Konzept der zweckmäßig und schlicht eingerichteten Bahnhöfe zusammen mit der einfachen Unterscheidungsmöglichkeit der Bahnhöfe durch Farb- und Formkodierung der Säulen konnte die Jury überzeugen.

Am Klinikum Großhadern hat Paolo Nestler am südlichsten Bahnhof der U6 nochmals ein Zeichen gesetzt: in der Tradition der Innenstadtbahnhöfe sind auch hier die Säulen großflächig verkleidet, die Decken mit Querschürzen versehen sowie die Wände mit großen Wandpaneelen verkleidet. Im Zeichen der Zeit hat er den Bahnhof jedoch deutlich farbenfroher gestaltet.

Am Mangfallplatz wiederum ist ihm durch Zurücknahme der Gestaltungmerkmale konzentriert an einige Stellen etwas ganz anderes gelungen: eine grandiose Raumwirkung, die Betonung der Zugangsanlagen mit freundlichen Farben sowie eine interessante Decken- und Lichtgestaltung kombiniert mit der nüchternen Wirkung der originalbelassenen Bohrpfahlwände runden das positive Gesamtbild ab.

Doch nicht nur mit U-Bahnhöfen hat sich Paolo Nestler im Münchner Stadtbild verewig. Der 1920 in Bergamo geborene Architekt, Raumplaner und Designer zeichnet sich auch verantwortlich für den 1956-1958 errichteten Erweiterungsbau des Deutschen Museums, die Innengestaltung des Hypo-Hauses sowie die Zentrale der Kreissparkasse am Sendlinger-Tor-Platz. International am bekanntesten ist vermutlich die Innengestaltung sowie die Möbelentwürfe für das Foyer des UN-Sicherheitsrats in New York City.

Den Münchnern wird Paolo Nestler vermutlich noch viele Jahrzehnte in Form seiner U-Bahnhöfe erhalten bleiben. Denn bei den kommenden Renovierungen der alternden Bauten wird nicht so viel Aufwand betrieben werden wie bei der Umgestaltung des U-Bahnhofs Münchner Freiheit, der aus mehreren Gründen aufgewertet werden sollte.
Wer in der nächten Zeit durch einen der oben abgebildeten Bahnhöfe kommt, sollte vielleicht einen Moment inne halten und das Bauwerk etwas auf sich wirken lassen.

21. April 2010

Jubiläen

Autor: Florian Schütz — Abgelegt unter: Geschichte — 21:03

Zugzielanzeiger mit Ziel "Partyzug" Wenn’s ums Feiern geht, sind ja die meisten Menschen immer gerne dabei, auch wenn sie oft gar nicht wissen, was es eigentlich zu Feiern gibt. Im U-Bahn-Bereich sind Feiern allerdings eher selten, weswegen man hier die Anlässe sorgfältig im Kalender stehen haben sollte. U-Bahn-Eröffnungen werden nach der diesjährigen der U3 nach Moosach gegen Ende des Jahres vermutlich erst mal rar werden, Tunneltaufen, Richtfeste ähnliches ebenso. Party-U-Bahnen gibt es zwar gelegentlich, aber doch eher selten und auch immer nur für relativ wenig Teilnehmer.

Angesichts dieses doch eher geringen Feierpotenzials im U-Bahn-Bereich möchte ich den Blick ein wenig in Richtung Jubiläen lenken, die vielleicht nicht alle gefeiert, aber zumindest eines Gedankens gewürdigt werden sollten. So große Zahlen wie in Berlin, Paris, London oder New York gibt es in München zwar nicht, aber trotzdem können wir Münchner auch ruhig das eine oder andere Jubiläum begehen.

Bahnsteig Marienplatz im Jahr 1974 mit alter Möblierung und Zugzielanzeigern Marienplatz in den 1970ern40 Jahre U-Bahn wird uns im kommenden Jahr ins Haus stehen, nachdem am 19. Oktober 1971 mit U-Bahn-Wagen 105 der Betrieb auf der U6 aufgenommen wurde. Ob und wenn ja, welche Feierlichkeiten die MVG und/oder das Baureferat vor hat, ist derzeit noch unklar. Ob Wagen 105 oder doch eher der älteste Prototyp-Wagen 091 eine Jubiläumsfahrt antreten, wird man noch sehen.

Einige Jubiläen im Bereich der 40 Jahre Münchner U-Bahn sind größtenteils unbemerkt ohnehin schon verstrichen:

  • 1. Februar 1965: Erster Rammschlag zum Bau der Münchner U-Bahn am Nordfriedhof
  • 6. Juli 1967: Erste Testfahrt auf der U6 zwischen Alte Heide und Studentenstadt
  • 5. Oktober 1968: 26.000 Münchner fuhren beim Tag der offenen Baustelle erstmals mit den neuen U-Bahn-Zügen
  • November 1969: Testbetrieb zwischen Studentenstadt und Münchner Freiheit

Nicht ganz so aus der Baugeschichte Münchner U-Bahn, aber dennoch Meilensteine für das Wachstum des Münchner U-Bahn-Netzes waren auch die zahlreichen Streckeneröffnungen, hier die Jubiläen der nächsten Wochen (Danke an Harald Ammon für die Zusammenstellung):

Eine Übersicht über alle Eröffnungen und einige weitere Daten findet sich übrigens im Bereich Geschichte unter Zeittafel, die interaktive Karte bietet eine grafische Übersicht über das Netzwachstum.