Betriebsanlagen und Betriebshöfe

Bei der Münchner U-Bahn werden Anlagen zur Wartung oder Abstellung als Betriebs­anlagen bezeichnet. Solche gibt es in größer Zahl in Form von Abstellgleisen an den Endbahnhöfen und teilweise zwischen den Stationen auf freier Strecke. Eine besonderer Fall hiervon ist der Betriebshof, der zusätzlich noch Werk­stätten zur Unterhaltung der Fahrzeuge beinhaltet.

Betriebs­anlagen

B-Wagen 506 in der Betriebsanlage Süd
B-Wagen in der Betriebsanlage Süd

Im U-Bahn-Netz befinden sich zwei größere Betriebs­anlagen.

Die Betriebs­anlage Süd hinter dem Bahnhof Neuperlach Süd dient primär der Hinterstellung von Zügen im südlichen Netzbereich. Sie ist auch mit einigen Wirtschafts­gebäuden ausgestattet. Hier können gut 40 Wagen hinterstellt werden. Da von Neuperlach aus neben der U4/U5-Stammstrecke auch die U1/U2-Stammstrecke schnell erreicht werden kann, werden viele Züge von beiden Linienbündeln dort in den betriebsschwachen Zeiten abgestellt.

In der Betriebsanlage Theresienwiese
Betriebsanlage Theresienwiese

Die Betriebs­anlage Theresienwiese an der Betriebs­strecke zwischen Implerstraße und Schwanthalerhöhe dient dabei in erster Linie dazu, die sich im Netz befindenden Abstell­möglichkeiten zu ergänzen. Durch ihre Lage an der Betriebs­strecke zwischen U3/U6 und U4/U5 können die dortigen Abstellgleise nicht einfach einem Bahnhof zugeordnet werden und haben daher eine eigene Bezeichnung als Betriebs­anlage erhalten. Hier können insgesamt 18 Wagen hinter­stellt werden, was an anderer Stelle im Netz teilweise auch zwischen Bahnhöfen oder nach dem Endbahnhof möglich ist.

Betriebshöfe

Betriebshof Nord / Technische Basis

Abgestellte A-Wagen in der Technischen Basis in Fröttmaning

Abgestellte U-Bahnzüge in Fröttmaning

Die Technische Basis im Betriebshof Nord in Fröttmaning (Hans-Jensen-Weg 10), auf den man von den Brücken des Bahnhofes Fröttmaning einen guten Blick hat, ist die einzige Werkstatt- und Wartungsanlage der Münchner U-Bahn. Bereits 1965 – beim Beginn der Planungen für die erste U-Bahnlinie – stand fest, dass das Betriebswerk nicht im Stadtzentrum, sondern im Norden der Stadt oberirdisch gebaut werden sollte. Als Vorteil erwies sich neben dem damals noch unbebauten Gelände auch die Nähe zum DB-Anschlussgleis in Freimann, das Materiallieferungen ins U-Bahn-Netz ermöglicht. Zur Aufnahme des Linienverkehrs 1971 bestand der Betriebshof aus Abstellgruppen, einem Gleichrichterwerk und Wartungshallen; eine eigene Hauptwerkstätte fehlte zunächst noch, sodass größere Überholungen teilweise in der Straßenbahn-Hauptwerkstätte an der Ständlerstraße erledigt werden mussten. Der Ausbau zur Technischen Basis mit vollständiger Hauptwerkstätte und allen Einzelwerkstätten wurde in den 1980er-Jahren durchgeführt und Mitte 1988 abgeschlossen; das rund 26 Hektar große Gelände bietet seitdem Platz für alle betriebsnotwendigen Einrichtungen.

Hier werden sämtliche Arbeiten an den Fahrzeugen durchgeführt – von der regulären Wartung, die spätestens alle vier Wochen fällig ist, über die Revision alle zwei Jahre (mit Unterflurdrehmaschine für die Radreifen) bis zur großen Kurzüberholung alle vier Jahre, die in der Hauptwerkstätte rund zwei Wochen in Anspruch nimmt. Für Testfahrten nach Wartungsarbeiten steht ein rund 1,4 km langes Brems- und Versuchsgleis zur Verfügung. Neben der Fahrzeugwartung beherbergt die Technische Basis Werkstätten des Gleisbaus und der Zugsicherungstechnik, das zentrale Hauptlager sowie Ausbildungseinrichtungen – darunter einen Fahrsimulator für angehende U-Bahn-Fahrer. Neu ausgelieferte Fahrzeuge werden hier nach der Werkserprobung von der MVG abgenommen und umfangreichen Tests unterzogen, bevor sie zum regulären Fahrgastbetrieb zugelassen werden.

U-Bahnhof Fröttmaning mit angrenzendem Betriebshof Nord
U-Bahnhof Fröttmaning mit angrenzendem Betriebshof Nord
U-Bahnhof Fröttmaning mit Teilen des Betriebshof Nord
U-Bahnhof Fröttmaning mit Teilen des Betriebshof Nord
C2-Zug 740 in der Technischen Basis in Fröttmaning
C2-Zug 740 in der Technischen Basis in Fröttmaning
40 Jahre U-Bahn: Andrang in der Technischen Basis beim Tag der offenen Tür
40 Jahre U-Bahn: Andrang in der Technischen Basis beim Tag der offenen Tür

Die Kapazität des Betriebshofes ist heute bereits weitgehend ausgeschöpft: Täglich müssen 40 bis 50 Prozent aller Züge dort ein- oder ausrücken; da auf der Strecke Richtung Fröttmaning weitgehend im 5-Minuten-Takt gefahren wird, begrenzt die Streckenkapazität die Zahl der möglichen Ein- und Ausrückfahrten. Auch die Abstellfläche auf dem Gelände ist weitgehend ausgelastet – einer der Hauptgründe, warum der Bau des Betriebshofes Süd in Neuperlach als dringend notwendig gilt.

Im Zuge laufender Modernisierungsmaßnahmen wird die Technische Basis weiter ertüchtigt. Erneuert werden unter anderem Werkstattausrüstung und bauliche Anlagen; neue Einrichtungen für die Außenreinigung und Teilewäsche der U-Bahnzüge kommen hinzu. Zudem werden Arbeitsstände und Werkstattflächen ausgebaut, darunter auch Bereiche für die Wartung der C-Wagen.

Betriebshof Süd

Betriebshof Süd – Visualisierung des Projektes

Die bestehende Betriebsanlage Süd hinter dem Bahnhof Neuperlach Süd soll zu einem vollwertigen zweiten Betriebshof ausgebaut werden. Das rund 92.000 m² große Areal in Ramersdorf-Perlach soll eine viergleisige Werkstatthalle, eine Fahrzeug- und Waschhalle sowie eine Abstellanlage für 30 Langzüge umfassen. Leichte Instandhaltungsarbeiten sollen künftig dort durchgeführt werden; schwere Instandhaltung verbleibt im Betriebshof Nord. Die Kosten wurden 2021 auf ca. 200 Millionen Euro geschätzt. Die MVG bezeichnet den Betriebshof als in den 2030er Jahren zwingend benötigt, da die Kapazität in Fröttmaning heute bereits weitgehend ausgeschöpft ist.

Laut dem Stand der Informationsveranstaltung vom 12. Mai 2021 war ein Baubeginn 2024 und eine Inbetriebnahme ab 2026 in mehreren Etappen geplant. Nachdem der Stadtrat 2021 der Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt hatte, wurde im September 2023 eine Machbarkeitsstudie zum „ÖPNV-Knoten Neuperlach Süd" in Auftrag gegeben, die den Betriebshof gemeinsam mit dem geplanten zweigleisigen Ausbau des S-Bahn-Südasts und einer möglichen U5-Verlängerung betrachtet. Ab Oktober 2023 fanden Baugrunduntersuchungen entlang der Trasse statt. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden voraussichtlich 2026 präsentiert; ein Baubeginn hängt von deren Abschluss und einem erneuten Stadtratsbeschluss ab.

» Weitere Informationen aus der Informationsveranstaltung vom 12. Mai 2021

Weitere Optionen für Betriebshöfe

Bei Bau der U2 zur Messestadt wurde der Bau eines weiteren Betriebshofes mit Werkstätten östlich des Bahnhofes Messestadt Ost offen gehalten, die beiden äußeren Abstellgleise, die momentan betrieblich eher ungünstig nur an jeweils eines der beiden Strecken­gleise angebunden sind, würden in diesem Fall zu den neuen Zufahrts­gleisen des Betriebshofes umgebaut. Derzeit werden diese Planungen aber nicht weiter verfolgt.

Betriebszentrale

Das MVG-Betriebszentrum im SWM-Quartier in Moosach ist die zentrale Leitstelle für alle rund 110 MVG-Linien (U-Bahn, Tram, Bus sowie On-Demand-Dienste). Nach rund zweijähriger Bauzeit wurde es Ende 2020 in Betrieb genommen; die Baukosten betrugen rund 21 Millionen Euro. Der zweistöckige Leitraum umfasst 34 spezialisierte Arbeitsplätze in halbkreisförmiger Anordnung – erstmals arbeiten U-Bahn-, Tram- und Busfahrdienstleiter gemeinsam unter einem Dach. Ein Steg auf der zweiten Etage verbindet das Gebäude (rund 9.800 m² Nutzfläche, ca. 55 × 33 m) mit dem benachbarten SWM-Hauptsitz. Redundante Stromversorgung und umfangreiche Sicherheitssysteme gewährleisten einen ausfallsicheren 24/7-Betrieb.