Der U-Bahnhof Sendlinger Tor der Linien U3 und U6 befindet sich als Turmbahnhof über den Bahnsteigen der U1 und U2 und ist nach dem an der Oberfläche angrenzenden Stadttor der zweiten Münchner Stadtmauer benannt.
Aufbau
Der Bahnhof ist einer der wenigen U-Bahnhöfe in München mit zwei Pfeilerreihen. Dazwischen befindet sich am nördlichen Ende ein Aufzug ins Sperrengeschoss, hier ist der Bahnsteig am schmalsten. Im weiteren Verlauf weitet er sich auf und ist in der Mitte über Fest- und Fahrtreppen mit dem Sperrengeschoss sowie den darunterliegenden Bahnsteigen der U1 und U2 verbunden. Am südlichen Ende befindet sich nochmals ein Aufgang zum Sperrengeschoss. Vom Sperrengeschoss aus führen zahlreiche Treppenaufgänge sowie Aufzüge zur Oberfläche auf allen Seiten des Platzes sowie direkt zu den Tramlinien 16, 17, 18, 27 und 28.
Während des Umbaus des Sperrengeschosses am Marienplatz wurde 2014 übergangsweise das Kundenzentrum der MVG in eine freie Fläche am Sendlinger Tor verlagert. Heute befindet sich dort ein Drogeriemarkt.
Ursprüngliche Gestaltung
Der Bahnhof wurde wie die meisten Bahnhöfe der 1971 eröffneten Strecke der U6 vom Architekten Paolo Nestler gestaltet. Auch am Sendlinger Tor griff er auf die bewährten Stilmittel zurück: mit Keramikplatten verkleidete Stützen sowie Faserzementplatten an den Wänden. Die Kennfarbe des in einer Kurve liegenden Bahnhofs ist hellblau, was Paolo Nestler wie an den anderen von ihm entworfenen Bahnhöfen an den Stützen kenntlich macht. Die Hintergleiswände waren mit gelbbraunen Platten verkleidet.
Neue Gestaltung ab 2017
Der Entwurf für die Neugestaltung stammt vom Architekturbüro Raupach und Bohn, das Lichtkonzept vom Designer Ingo Maurer. Farblich wurden die Bahnsteigebenen der U1/U2 mit hellen Böden und einer gelben Decke, der U3/U6 mit hellen Böden und einer blauen Decke sowie das Sperrengeschoss mit einer dunklen Deckengestaltung akzentuiert. Ein Pfeiler auf dem Bahnsteig wurde bewusst in seiner ursprünglichen Keramikverkleidung belassen – als Bezug zum AIDS-Memorial an der Oberfläche des Sendlinger-Tor-Platzes.1
Umbau 2017–2023
Herzstück des Umbaus waren zwei neue Entlastungsbauwerke – eines unter dem Sendlinger-Tor-Platz, eines an der Blumenstraße – die bergmännisch unter Einsatz von Baugrundvereisungen errichtet wurden. Zusammen schufen sie rund 3.000 m² neuen öffentlichen Raum, was in etwa der Fläche des Sendlinger-Tor-Platzes entspricht. Für die Arbeiten wurden rund 20.000 m³ Erdreich ausgehoben (etwa 130.000 Badewannen), 7.000 m³ Beton verbaut und 1.500 Tonnen Stahl eingesetzt. Der neue Natursteinboden umfasst rund 6.700 m²; der Bahnsteig wurde dabei um 5 cm angehoben, um einen niveaugleichen Einstieg zu ermöglichen. Die neuen Wandverkleidungen decken rund 4.700 m² ab. Beim Durchbruch der neuen mit den bestehenden Bauwerken führten archäologische Funde und geologische Besonderheiten zu Verzögerungen. Der Ausgang Müllerstraße wurde um über zwei Meter verbreitert, um eine zweite Rolltreppe einbauen zu können; er war von März 2021 bis April 2022 geschlossen.
Am 30. April 2020 ging das erste Erweiterungsbauwerk unter der Sonnenstraße in Betrieb. Seit 4. November 2020 ist der erste umgebaute Aufgang zur Oberfläche in Betrieb; im Jahr 2023 wurde die Hauptbaumaßnahme mit der Eröffnung des Aufgangs zur Blumenstraße abgeschlossen.
Sonstiges
Der südlich an den Bahnhof angrenzende Tunnel Richtung Goetheplatz ist ab dem Ende der Wendeanlage deutlich älter als alle anderen Teile des U-Bahnnetzes: er wurde 1938–41 als Teil einer geplanten Nord-Süd-S-Bahn der Reichsbahn gebaut. Mehr dazu siehe Goetheplatz.
Der Bahnhof selbst wurde teilweise unter einer Traglufthalle errichtet, um auch im Winter Betonierarbeiten ohne Witterungseinflüsse durchführen zu können. Als letzter Bahnhof der 1971 eröffneten Strecke der U6 fand bei ihm das Richtfest erst im März 1971 statt, 7 Monate vor Eröffnung.
Betrieblich wird der Bahnhof zur Unterscheidung mit dem gleichnamigen Bahnhof der Linien U1 und U2 als "Sendlinger Tor (oben)" bezeichnet.
Weitere Bilder des U-Bahnhofs Sendlinger Tor