U9/U29: Planung für Ausbau des Bahnhofs Theresienstraße ausgeschrieben

Autor: Florian Schütz — Abgelegt unter: Netz, U-Bahnhöfe

Für den Ausbau des U-Bahnhofs Theresienstraße im Rahmen der Entlastungsspange U9 haben die Stadtwerke München (SWM) die Objektplanung ausgeschrieben. Die Ausschreibungsunterlagen geben erstmals einen detaillierten Einblick, wie der Bahnhof der U2 zum Abzweig der geplanten Verbindungsspange U29 werden soll: mit einem dritten Bahnsteig in eigener Röhre, neuen Schächten und erstmals Zugängen am Nordende.

Dritter Bahnsteig in eigener Röhre

Lageplan des für die U9 zu erweiternden Bahnhof Theresienstraße

Der neue Bahnsteig für Züge Richtung Norden soll östlich des bestehenden Bahnhofs in einer eigenen, bergmännisch hergestellten Röhre entstehen. Er liegt in ähnlicher Tiefe wie der heutige Bahnsteig, rund 18 Meter unter der Oberfläche, und ist aus trassierungstechnischen Gründen um etwa 15 Grad gegenüber diesem gedreht. Die Anbindung in Richtung Stadtmitte, also zum neuen U-Bahnhof am Hauptbahnhof, erfolgt über einen Tunnelabzweig südlich des Bahnhofs im Bereich Augustenstraße / Steinheilstraße.

Neue Zugänge – erstmals auch im Norden

Am südlichen Ende der neuen Bahnsteigröhre ist ein Aufgangsbauwerk an der Theresienstraße mit Festtreppen, Fahrtreppen und Aufzug vorgesehen, das über einen Durchbruch mit dem bestehenden Sperrengeschoss verbunden wird. Am Nordende soll ein zweiter Schacht an der Heßstraße mit Festtreppe und Aufzug entstehen, der an ein neues, nördliches Sperrengeschoss anschließt. Dieses bekäme drei Aufgänge zur Oberfläche, zwei an der Heßstraße und einen an der Augustenstraße. Bisher besitzt der Bahnhof am Nordende keine Aufgänge, nicht zuletzt wegen des geringen Abstands von nur 513 Metern zum Nachbarbahnhof Josephsplatz.

Ob das neue Sperrengeschoss auch direkt per Treppe mit dem bestehenden Bahnsteig verbunden wird, ist laut Ausschreibung noch offen. Brandschutz, zu erwartende Personenströme, Kosten und Betriebseinschränkungen sollen dazu in der Vorplanung in einem Variantenvergleich bewertet werden.

Umfang und Technik

Dem heutigen Bahnhof mit rund 7.500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche sollen nach derzeitigem Stand rund 4.000 Quadratmeter Neubaufläche hinzugefügt werden, je etwa zur Hälfte öffentliche Bereiche und Betriebsräume. Dazu kommen Eingriffe in den Bestand auf rund 1.350 Quadratmetern. Ein eigenes Gleichrichterwerk oder Stellwerk ist nach bisherigem Kenntnisstand nicht nötig, die zusätzliche Stromversorgung soll über weitere Transformatoren im vorhandenen Mittelspannungsraum erfolgen.

In der Planung sind Räume für die Steuerung von Bahnsteigtüren vorzusehen, deren Einbau muss als möglich nachgewiesen werden. Für den neuen Bahnsteig wird angestrebt, ohne maschinelle Entrauchung auszukommen. Der bestehende Bahnsteig wird voraussichtlich zur besseren Barrierefreiheit erhöht. Als Kostenziele für Ausbau und Technik nennt die Ausschreibung 13,5 Millionen Euro für die Baukonstruktionen und 18,25 Millionen Euro für die technischen Anlagen (Preisstand drittes Quartal 2026). Der Rohbau ist darin nicht enthalten, es handelt sich also nicht um die Gesamtkosten.

Brandschutz im Bestand

Der Für den bestehenden Bahnhof sind Optimierungen beim Brandschutz vorgesehen, die im Zuge der Erweiterung oder im Vorgriff darauf umgesetzt werden. Sie sind Teil eines eigenständigen SWM-Projekts, der „Brandschutzkoordinierung Mobilitätsinfrastruktur“, und sollen vor Beginn der Bauarbeiten für die U29 erfolgen. Vorgesehen sind unter anderem Einhausungen der Treppen und Fahrtreppen sowie zusätzliche Fluchttreppen an den Bahnsteigenden. Die Planung dazu beginnt Anfang 2027, die Umsetzung ist für Anfang der 2030er-Jahre vorgesehen.

Zeitplan: Planfeststellung Anfang 2028

Grundlage der Planung ist eine vertiefte Machbarkeitsstudie zur Verbindung von U9 und U2 aus dem Jahr 2017, die nicht öffentlich ist. Der Planungsbeginn ist für Januar 2027 vorgesehen, die Vorplanung soll im Oktober 2027 vorliegen. Der Antrag auf Planfeststellung für den Planungsabschnitt U29 Nord ist für Anfang 2028 geplant, die Entwurfsplanung soll Ende 2028 konsolidiert sein. Schon auf Basis der Vorplanung soll sich zuvor der Stadtrat mit dem Vorhaben befassen. Einen Termin dafür nennt die Ausschreibung nicht.

Die Ausschreibung bezieht sich ausdrücklich nur auf den Bahnhof und den Abschnitt U29 Nord. Dieser umfasst den Anschluss an den Hauptbahnhof, die Tunnel- und Schachtbauwerke und die Einbindung in den Bestand nördlich des Bahnhofs. Er endet am geplanten Schachtbauwerk in der Brienner Straße, wo die Strecke der U9 Richtung Münchner Freiheit abzweigt.

Einordnung

Mit der Ausschreibung rückt die U9 im Norden der Innenstadt von der Machbarkeit in die konkrete Planung. Die Spange zur U2 war bereits in der ersten Machbarkeitsstudie von 2014 als Option genannt, und im Zusammenhang mit der Grundsatzentscheidung des Stadtrats vom November 2022 wurde der viergleisige Bahnhof am Hauptbahnhof beschrieben, in den die Verbindungsstrecke von Theresienstraße einmündet. Alle Angaben stehen unter dem Vorbehalt der weiteren Planung und der Genehmigung. Mehr zum Projekt auf der Seite zur Entlastungsspange U9 und zum Bahnhof Theresienstraße.

Quelle

SWM – Einkauf, Bekanntmachungen: Leistungsbeschreibung für Architekten- und Ingenieurleistungen, Planungsabschnitt U29 Nord der U-Bahn-Entlastungsspange U9, U-Bahnhof Theresienstraße (Stand 19. Oktober 2026).

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