Der Typ C2 ist die Weiterentwicklung des C1 und wird seit 2014 sukzessive beschafft. Er übernimmt das grundlegende Konzept des sechsteiligen Langzugs, bringt aber eine überarbeitete Front, LED-Beleuchtung, eine neue Sitzaufteilung und das Fahrgastfernsehen „Münchner Fenster" mit. Mehrere aufeinanderfolgende Beschaffungsserien haben den Bestand auf 82 Fahrzeuge anwachsen lassen; sie bilden heute den modernen Kern der Münchner U-Bahn-Flotte.
Beschaffungsgeschichte
Wegen Kürzung staatlicher Fördergelder für Fahrzeuge des Stadtverkehrs gerieten die Neubeschaffungen von U-Bahnzügen nach Ablieferung der bestellten 18 C-Züge ins Stocken. Nachdem die ersten U-Bahnzüge des Typs A mittlerweile über 40 Jahre in Betrieb sind, wird die Notwendigkeit einer Neubeschaffung für die MVG immer größer.
Im September 2009 gab die MVG bekannt, die ursprünglich für 2012 vorgesehene Bestellung von 14 Langzügen um zwei Jahre vorzuziehen und startete hierfür eine europaweite Ausschreibung. Gefallene Rohstoffpreise und vorhandene Produktionskapazitäten auf dem europäischen Markt für Schienenfahrzeuge führten zu dieser Entscheidung. Bei einer erfolgreichen Ausschreibung würde die Bestellung im ersten Halbjahr 2010 getätigt, mit einer Lieferung der Züge wäre dann ab 2012 zu rechnen. Angesichts eines Investitionsvolumens von über 100 Millionen Euro ist die MVG hierbei auf eine Förderung durch den Freistaat Bayern angewiesen.
Wie die MVG im November 2010 bekannt gab, werden ab dem Jahr 2013 weitere 21 Einheiten vom Typ C2.11 beschafft, die sich äußerlich in der Frontpartie und geänderte Türschließanzeigen in Form von roten Lichtleisten außen an den Türen sowie im Inneren durch eine veränderte Sitzaufteilung sowie ein anderes Lichtkonzept auf Grundlage von LED-Leuchtmitteln unterscheiden. Bis 2015 soll die Auslieferung dieser 21 6-Wagen-Züge abgeschlossen sein. Anschließend bestehen zwei Option auf jeweils 23 Einheiten, die bis zum Jahr 2016 bzw. 2020 eingelöst werden können.
Die neuen Züge sollen erstmals eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h erreichen können, auch wenn derzeit noch unklar ist, wo diese Höchstgeschwindigkeit im derzeitigen Netz ausgefahren werden kann, da alle Strecken nur für 80 km/h zugelassen sind.
Am 20. Januar 2014 erreichte der erste Zug den Betriebshof der MVG in Fröttmaning, einen guten Monat später am 21. Februar 2014 präsentiert ihn die MVG im Bahnhof Georg-Brauchle-Ring. Seither absolvieren die Züge zahlreiche Mess- und Abnahmefahrten im Betriebshof oder (in den Nachtstunden) auch im Gesamtnetz.
Im Juni 2019 erreichte der erste Zug der zweiten C2-Bestellung München, 23 weitere sollen folgen, so dass insgesamt 45 C2-Züge nach Ende der Auslieferung im Jahr 2022 zur Verfügung stehen sollen. Am 7. Mai 2020 ging der erste Zug dieser Bestellung in den Fahrgastbetrieb.
Am 2. Juli 2020 gab die MVG bekannt, dass aus der zweiten Option weitere 22 Züge bestellt werden und bis 2024 geliefert werden sollen. Damit werden ingesamt 67 Gliederzüge vom Typ C2 im Münchner U-Bahn-Netz verkehren.
Im September 2021 schrieben die Stadtwerke München europaweit die Lieferung von weiteren 18 sechsgliedrigen C2-Zügen aus. Hintergrund waren neue brandschutztechnische Vorschriften: Bis Ende 2025 müssen alle im Münchner U-Bahnnetz eingesetzten Fahrzeuge über eine Brandbekämpfungsanlage verfügen. Da eine Nachrüstung der alten A-Wagen nach damaligem Erkenntnisstand nicht möglich war, benötigten die Stadtwerke Ersatzfahrzeuge auf Basis der bewährten C2-Technik, die ab Ende 2024 in Betrieb gehen sollten.
Den Zuschlag erhielt erneut Siemens Mobility: Gleichzeitig mit der Auslieferung des ersten Zugs aus der 2. Option am 27. April 2022 wurde die Beauftragung bekannt gegeben. Damit sind insgesamt 85 C2-Züge im Netz der Münchner U-Bahn unterwegs.
Zulassungsverfahren
Durch veränderte Zulassungsverfahren seitens der technischen Aufsichtsbehörde konnten die Züge nicht wie die Vorgängerbaureihen nach der grundsätzlichen Betriebsgenehmigung im gesamten Netz verkehren. Zunächst mussten ausführliche Nachweise erbracht werden zur Betriebstauglichkeit auf den einzelnen Streckenabschnitten, die größtenteils nicht aus bestehenden Unterlagen möglich waren. Hier mussten Tunnel und Gleise neu vermessen werden und an einzelnen Stellen auch Bahnsteige angepasst werden, weil in Extremfällen (z.B. weitestgehend abgefahren Radreifen, Ausreizen der Toleranz der Federung, größtmögliche Fahrgastzahlen) rechnerisch nicht immer ein komplett freies Lichtraumprofil an jeder Stelle des Netzes gewährleistet werden konnte.
Durch den stark verzögerten Zulassungsprozess der neuen U-Bahn-Wagen konnte mit der U6 die erste vollständige Linie im Fahrgastbetrieb erst am 4. November 2016 befahren werden. Zuvor waren in mehreren Etappen einzelne Abschnitte der nördlichen U6 bereits möglich, hier fuhren die neuen C2-Züge zwischen regulären Zügen der U6.
Nachdem die C2-Züge zunächst nur auf der U6 anzutreffen waren, erhielten sie zum 14. Juni 2018 eine Streckengenehmigung auch für die U3, ein Betrieb auf der U2 ist seit 7. Oktober 2020 möglich, auf der U1 seit 18. August 2021. Die Linien U4 und U5 folgten schließlich im September 2022. Mit Ausnahme der in der Regel nur mit Kurzzügen betriebenen U4 sind die C2-Züge daher nun auf allen Linien anzutreffen.
Unterschiede der zweiten Bauserie
Neben zahlreichen technischen Unterschieden gibt es auch einige für den Fahrgast klar erkennbare Neuerungen:
- Die Front erhielt eine leicht veränderte Form und neue, besser lesbare Zugzielanzeiger
- Im Gegensatz zu den Zügen der ersten Bauserie wurde die Beleuchtung von Leuchtstoffröhren und Halogen-Spots auf LED umgestellt, womit andere Arten der Lichtgestaltung möglich sind.
- Ebenfalls verändert wurde die Sitzaufteilung: neben den nun durchgängig eingesetzten Polstersitzen wurden an den jeweils nördlichen Wagenübergangen jedes Einzelwagens sechs Quersitze entfernt und durch Anlehnpolster ersetzt. Dadurch soll der Fahrgastwechsel beschleunigt werden, da in der Nähe der Türen hier nun mehr Stehplätze vorhanden sind.
- Alle Züge werden ab Werk mit dem Fahrgastfernsehen "Münchner Fenster" ausgestattet, das außerdem die nächsten Haltestellen und die dortigen Umsteigemöglichkeiten anzeigt.
- Die Türen wurden mit gut sichtbaren LED-Leisten ergänzt, die bei freigegebenen Türen grün leuchten, bei eingeleiteter Türschließung hingegen rot.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Konfiguration | Mc+M+M+M+M+Mc (6-teilig) |
| Länge (über Kupplung) | 115.060 mm |
| Breite | 2.900 mm |
| Fußbodenhöhe | 1.100 mm ü. SO |
| Leergewicht | ca. 180 t |
| Max. Achslast | 13,5 t |
| Sitzplätze | 220 |
| Stehplätze (4 Pers./m²) | 720 |
| Gesamtkapazität (4 Pers./m²) | 940 |
| Türen pro Wagen | 6 (je 3 pro Seite), lichte Weite 1.400 mm |
| Höchstgeschwindigkeit (Betrieb) | 80 km/h |
| Auslegungsgeschwindigkeit Drehgestell | 90 km/h |
| Kleinster Betriebsradius | 270 m |
| Stromversorgung | 750 V DC, 3. Schiene |
| Drehgestell | Typ SF 1000 (Gummi-Metall-Primär-, Luftfeder-Sekundärfederung, Scheibenbremsen) |
| Wagenkastenwerkstoff | Aluminium-Leichtbau (geschweißte Profile) |
| Hersteller | Siemens Mobility, Wien |
Gestaltet wurden die C2-Züge von Neumeister + Partner Industrial Design – dem gleichen Büro, das bereits die C1-Züge entworfen hat. Anders als beim C1, bei dem Bombardier als Unterauftragnehmer für Wagenkästen und Laufwerk zuständig war, ist beim C2 Siemens Mobility als Gesamthersteller verantwortlich; gefertigt werden die Züge im Siemens-Werk in Wien. Im Jahr 2013 erhielt der C2 den Universal Design Award sowie den Red Dot Award for Product Design. Im Brandschutz setzen die Züge in technischen Bereichen auf eine Stickstoff-Löschanlage, in Fahrgastbereichen auf ein Niederdruck-Wassernebelsystem.
Bilder von der Vorstellung des Zuges am 21. Februar 2014
Blog-Einträge zum C2
- 12. November 2010 – Geplante Bestellung neuer Züge vom Typ C2
- 23. November 2010 – Vertragsunterzeichnung: Bestellung von 21 C2-Zügen abgeschlossen
- 31. Januar 2014 – C2-Zug auf erster Testfahrt
- 16. Februar 2014 – C2-Zug wird am 21. Februar präsentiert
- 22. Mai 2014 – C2-Zug 702 kommt für 701
- 4. November 2016 – C2-Fahrgasteinsatz bis Großhadern
- 14. Juni 2018 – C2-Fahrgasteinsatz jetzt auch auf der U3
- 17. Juni 2019 – C2: Auslieferung der zweiten Bauserie beginnt
- 6. Mai 2020 – Zweite C2-Serie darf in den Fahrgastbetrieb
- 2. Juli 2020 – MVG bestellt weitere 22 Züge des Typs C2
- 6. Mai 2021 – C2-Züge bekommen Sonnenschutzfolie
- 18. August 2021 – C2-Einsatz seit heute auch auf der U1 möglich
- 27. September 2021 – SWM schreiben die Lieferung von 18 neuen C2-Zügen aus
- 27. April 2022 – Neue U-Bahnen für München: SWM und MVG erhalten weitere Züge der neuesten Generation