Umbau und Erweiterung der U-Bahnhöfe am Hauptbahnhof ab 2026

Kurzinfo
Lage Hauptbahnhof
ObjektUmbau und Erweiterung der U-Bahnhöfe
BahnhöfeHauptbahnhof (oben) / Hauptbahnhof (unten)
LinienU1, U2, U4, U5 (künftig U9)
Anlass2. S-Bahn-Stammstrecke, Vorhaltemaßnahme U9
Bauzeitvsl. 2026–2036
Fertigstellungvoraussichtlich 2034 (U1/U2) bzw. 2035 (U4/U5)

Rund um den Münchner Hauptbahnhof laufen mehrere große, in Teilen überlappende Bauprojekte im U-Bahn-Netz, die alle mit dem Bau der 2. S-Bahn-Stammstrecke oder nötigen Modernisierungen zusammenhängen: der Umbau des höherliegenden U-Bahnhofs Hauptbahnhof (U4/U5), der Umbau des tieferliegenden U-Bahnhofs Hauptbahnhof (U1/U2) sowie eine bauliche Vorhaltemaßnahme für die künftige Linie U9. Diese Seite fasst den Planungsstand aller drei Vorhaben so zusammen, wie er sich aus den derzeitigen Veröffentlichungen ergibt. Einzelne Planungsteile gelten laut den Ausschreibungen ausdrücklich noch als ergebnisoffen.

Hintergrund: 2. S-Bahn-Stammstrecke und U9-Vorhaltemaßnahme

Auslöser aller drei Maßnahmen ist der Neubau der 2. S-Bahn-Stammstrecke mit dem zugehörigen neuen Bahnhofsbauwerk und dem neuen Empfangsgebäude der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof. Der Gesamtzeithorizont dieser Baumaßnahmen reicht von voraussichtlich 2026 bis 2036. Weil im Zuge der 2. Stammstrecke deutlich mehr Fahrgäste am Hauptbahnhof umsteigen werden, müssen auch die beiden U-Bahnhöfe der Linien U1/U2 und U4/U5 in ihrer Kapazität erweitert werden. Parallel dazu wird eine gesondert beauftragte Vorhaltemaßnahme für die deutlich später geplante Linie U9 umgesetzt.

U-Bahnhof Hauptbahnhof (U4/U5)
U-Bahnhof Hauptbahnhof (U4/U5)
U-Bahnhof Hauptbahnhof (U4/U5)
U-Bahnhof Hauptbahnhof (U4/U5)
U-Bahnhof Hauptbahnhof (U1/U2)
U-Bahnhof Hauptbahnhof (U1/U2)
U-Bahnhof Hauptbahnhof (U1/U2) mit entfernten Verkleidungen
U-Bahnhof Hauptbahnhof (U1/U2) mit entfernten Verkleidungen

Hauptbahnhof (oben) (U4/U5)

Der 1984 eröffnete U-Bahnhof Hauptbahnhof (oben) der Linien U4 und U5 soll bis voraussichtlich 2035 grundlegend erweitert und modernisiert werden. Kernstück ist eine komplett neue Zwischenebene im bislang ungenutzten oberen Teil des rund 13 Meter hohen Mittelteils über dem Bahnsteig, die über drei neue Fahrtreppen und einen Aufzug erschlossen wird; die bestehenden, notorisch engen Fahrtreppen am Ostende Richtung Hauptbahnhof (U1/U2) sollen dafür zurückgebaut werden. Dieser Teil der Planung gilt laut Ausschreibung noch als ergebnisoffen.

Auf der neuen Zwischenebene ist außerdem eine Fahrradabstellanlage mit rund 500 bis 700 Stellplätzen vorgesehen, erschlossen über ein eigenes Zugangsbauwerk von der südlichen Bayerstraße aus – Teil eines Vorhabens der Landeshauptstadt München, rund um den Hauptbahnhof mindestens 3.000 zusätzliche Fahrradstellplätze zu schaffen.

Daneben sind eine komplette Erneuerung von Decken-, Wand- und Bodenverkleidungen nach einem gemeinsamen Gestaltungskonzept mit dem U1/U2-Bahnhof, ein neues Lichtkonzept, umfangreiche Brandschutzmaßnahmen (Rauchschürzen, Feuerwehr-Informationszentrale, Löschwasserbevorratung, neue Brandschutztüren, Sprachalarmierung), Betoninstandsetzung, eine Asbestsanierung sowie eine komplette Erneuerung der technischen Gebäudeausstattung (Niederspannung, Sanitärtechnik, Lüftung, Kälteversorgung) vorgesehen. Die Bahnsteigkante wird dabei wie zuletzt an Goetheplatz, Poccistraße und der Giselastraße um bis zu fünf Zentimeter angehoben, um einen barrierefreieren Einstieg zu ermöglichen.

Die Planung soll ab dem vierten Quartal 2026 beginnen. Die einzelnen Fachlos-Ausschreibungen nennen eigene Kostenobergrenzen für die Baumaßnahmen (netto): rund 1,35 Mio. Euro für die Schadstoffsanierung, 7,39 Mio. Euro für die Elektrotechnik und 2,9 Mio. Euro für Heizung, Lüftung und Sanitär. Die Finanzierung durch die Landeshauptstadt München ist bislang nur bis 2027 gesichert, eine Anschlussfinanzierung befand sich zuletzt noch in Klärung.

Hauptbahnhof (unten) (U1/U2)

Auch der tieferliegende, 1980 eröffnete U-Bahnhof Hauptbahnhof der Linien U1 und U2 wird im Zuge der 2. Stammstrecke umgebaut. Bereits bekannt ist der Umbau der Stützenreihe zwischen den Bahnsteigen: Im Bereich unmittelbar über dem künftigen Stammstreckentunnel sollen sechs bisherige Durchgänge zwischen den Stützen zu einer durchgängigen Wand ergänzt werden, im übrigen Bahnsteigbereich werden die Stützen lediglich verstärkt. Seit 2020 sind dafür alle Wand- und Stützenverkleidungen entfernt.

Eine im Februar 2026 europaweit ausgeschriebene Tragwerksplanung beschreibt zwei weitere bauliche Eingriffe: Vier neue Einzelfahrtreppen sollen die Bahnsteige im 4. Untergeschoss – je eine pro Fahrtrichtung an beiden Bahnsteigenden – direkt mit der Verteilerebene im 3. Untergeschoss verbinden, um die Bahnsteige im Betrieb schneller räumen zu können. Diese Verbindung existiert derzeit nicht; die rund 110 Zentimeter dicke Bahnsteigdecke ist an den vorgesehenen Stellen noch geschlossen. Zusätzlich soll eine neue Festtreppe von der Verteilerebene im 3. Untergeschoss direkt in eine neue Fahrradgarage im 2. Untergeschoss führen und dort auch die Anbindung an die 2. Stammstrecke herstellen; für sie gibt es bislang noch keine Planung.

Weil die vier neuen Deckenöffnungen tief in die tragende Bestandskonstruktion eingreifen, ist eine aufwändige statische Nachrechnung des gesamten Stationsbauwerks (von der Ebene -1 bis zur Bahnsteigebene) sowie eine eigene Abfangkonstruktion für die durchbrochene Bahnsteigdecke erforderlich – etwa in Form eines Trägerrosts, dessen Lasten über die seitlichen Schlitzwände und die mittige Bestandsstützenreihe abgetragen werden. Eine vereinfachte Machbarkeitsuntersuchung der DB-Tragwerksplanung sowie erste Vorentwurfspläne liegen bereits vor.

Die Planungen hierzu sollen 2026 beginnen. Der bauliche Umbau soll voraussichtlich bis 2034 abgeschlossen sein, der gesamte Zeithorizont der Maßnahme reicht bis 2036. Wie alle baulichen Eingriffe in U-Bahnhöfe wird das Vorhaben als BoStrab-Maßnahme von der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) geprüft.

Vorhaltemaßnahme U9

Getrennt von den beiden Bahnhofsumbauten läuft bereits eine bauliche Vorhaltemaßnahme für die künftige, deutlich später geplante Linie U9: Der nördliche Zugang des U4/U5-Bahnhofs Richtung Gleishalle der Deutschen Bahn wird abgerissen und durch einen neuen Zugang samt notwendigem Sperrenbauwerk ersetzt, das sich bereits im Bau befindet. Als bauzeitlicher Ersatz entsteht ein Interims-Zugang mit neuer Treppenanlage, für den ein Teil eines alten Bunkers zurückgebaut werden musste; dieses Provisorium soll nach aktuellem Planungsstand erst 2036 wieder verschwinden. Auch bei der technischen Gebäudeausstattung des U4/U5-Bahnhofs-Umbaus wird bereits eine Vorhaltemaßnahme für den künftig deutlich höheren Kältebedarf der U9 mitgeplant.

Offene Punkte

Mehrere Planungsteile sind nach Angaben der SWM ausdrücklich noch nicht abschließend festgelegt: die neue Zwischenebene und die Fahrradabstellanlage am U4/U5-Bahnhof, die Festtreppe zwischen Verteilerebene und Fahrradgarage am U1/U2-Bahnhof sowie die Anschlussfinanzierung des Umbaus durch die Landeshauptstadt München ab 2028. Mittelfristig, im Zeitfenster 2035 bis 2038, könnte zudem die oberirdische Tramhaltestelle in der Bayerstraße im Rahmen eines Gestaltungswettbewerbs für das gesamte Bahnhofsareal neu geordnet werden.

Zeitplan im Überblick

ZeitpunktEreignis
Q1 2026Beginn des Gesamtzeithorizonts der Maßnahme laut Vergabeunterlagen U1/U2
Juni 2026Planungsbeginn Umbau U1/U2 (Leistungsstufe 1) mit Auftragsvergabe
Q4 2026Planungsbeginn Umbau Hauptbahnhof (U4/U5)
bis 2027bislang gesicherte Finanzierung der Landeshauptstadt München für den U4/U5-Bahnhof-Umbau
ab 2027Bauarbeiten an beiden U-Bahnhöfen
2034voraussichtliche Fertigstellung Umbau U1/U2
2035voraussichtliche Fertigstellung Umbau U4/U5-Bahnhof
2036Ende des Gesamtzeithorizonts U1/U2 laut Vergabebekanntmachung; geplantes Ende des U9-Interimszugangs

Quellen

Vergabe-Bekanntmachungen und Leistungsbeschreibungen der Stadtwerke München (SWM) zu Architekten- und Ingenieurleistungen für die Modernisierung des U-Bahnhofs Hauptbahnhof Oben sowie zur Tragwerksplanung für den Umbau des U1/U2-Bauwerks am Hauptbahnhof (Vergabe-Nr. SV-CMÜ-260217-002, TED-Bekanntmachung 117289-2026).

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