Neubau U6-Süd nach Martinsried

Kurzinfo
Streckenverlauf U6 Martinsried
ObjektNeubau U‑Bahnstrecke
BahnhofMartinsried
Strecken­längeca. 972 m Tunnel
Bauzeit2023 – ca. 2027
Nutzen‑Kosten1,32

Die Verlängerung der U6 vom bisherigen Südendbahnhof Klinikum Großhadern um rund 972 Meter nach Martinsried ist eine Verlängerung der Münchner U‑Bahn­linie U6 in den südlich angrenzenden Landkreis München. Sie erschließt den Forschungs­campus Martinsried, auf dem sich unter anderem die Fakultät Biologie der Ludwig‑Maximilians‑Universität und mehrere Max‑Planck‑Institute befinden. Seit dem Spatenstich am 6. Februar 2023 laufen die Hauptbauarbeiten; die Fertig­stellung ist für 2027 vorgesehen.

Planungsgeschichte

Die Verlängerungs­idee reicht bis 1991 zurück, als erste Gespräche zwischen der Gemeinde Planegg und dem Münchner U‑Bahn‑Referat stattfanden. Ab 1998 begann die konkrete Vorentwurfs­planung; ein Kosten‑Nutzen‑Vergleich ergab ein Nutzen‑Kosten‑Verhältnis von 1,32. Am 26. Februar 2010 wurde die Linienbestimmung nach PBefG erteilt. Am 17. September 2013 erließ die Regierung von Oberbayern den Planfeststellungs­beschluss für den Planfeststellungs­abschnitt 27 (PA 27).

In den Folgejahren wurde das Vorhaben durch mehrere Planänderungen (Tekturen) schrittweise angepasst: Tektur e (September 2020) ergänzte das Park+Ride‑Deck, Tektur f (Januar 2021) regelte zusätzliche Lager­flächen, Tektur i (Dezember 2022) passte die Baustellenzufahrt zum nördlichen Lagerbereich an. Die schwierige Finanzierungs­lage der gemeinde­übergreifenden Verbindung verzögerte den Baubeginn bis in die 2020er Jahre; Anfang 2022 wurde die Inbetriebnahme erneut auf Mitte 2026 verschoben, bevor der Spatenstich im Februar 2023 schließlich die Bauphase eröffnete.

Strecke und Bauweise

Der Tunnel zwischen dem bestehenden Bahnhof Klinikum Großhadern und dem neuen Endbahnhof Martinsried wird in drei konstruktiv unterschiedlichen Abschnitten hergestellt:

Östlicher Abschnitt (ab Großhadern): Bohrpfahl‑Deckelbauweise mit unbewehrten Primär­pfählen bis Sohlhöhe und bewehrten Sekundär­pfählen in voller Tiefe. Diese Bauweise ermöglicht durch Schlitze unter dem Bauwerk eine natürliche Grundwasser­strömung.

Mittlerer Abschnitt: Offene Bauweise mit ausgesteifter bzw. rückverankerter Bohrpfahlwand und dichter Baugruben­umschließung. Der Wechsel von der ursprünglich geplanten Deckelbauweise zu offener Bauweise verbessert das Verhalten der Rahmenecken und vereinfacht die Ausführung.

Bahnhofs­bereich (Martinsried): Offene, geböschte Baugrube in Stahl­beton. Die Böschungs­neigung beträgt in der Regel 45°, an Konflikt­stellen mit bestehenden Ver­sorgungs­leitungen lokal bis 60°.

Geologie und Grundwasser

Der Baugrund besteht aus quartärem Terrassenschotter (eiszeitliche Ablagerungen, 4–25 m mächtig) über tertiären Flinz­sanden und ‑mergeln. Die Flinzmergel sind durch hohe Plastizität und rasch abnehmende Festigkeit bei Wasserein­tritt gekennzeichnet; Einaxial­druck­werte zwischen 0,005 und 15 MN/m² wurden gemessen. Im östlichen Abschnitt liegt zudem ein historischer Kiesabbaubereich, dessen Verfüll­material bis 12 m Tiefe teer­haltige Straßen­beläge enthält; dort werden Unterwasser­beton­körper eingebaut.

Der Grundwasserspiegel liegt je nach Bereich 10 bis 18 m unter Gelände. Die dichte Baugruben­umschließung im mittleren Abschnitt (km 38,8+25 bis km 39,2+40) verhindert die Quer­strömung; Überbohrungs­maßnahmen in definierten Abständen sichern den Grund­wasser­durch­fluss im End­zustand. Die prognostizierte Aufstauung im Endzustand beträgt maximal rund 9 cm.

Abstellanlage

Westlich des Bahn­steigs schließt sich ein 289 m langes Abstellgleis (Gleis 19) für zwei Zug­einheiten an. Es verbindet die beiden Außengleise über eine Weichenanlage und ermöglicht eine flexible Betriebs­führung am neuen Streckenende. Die Streckengeschwindigkeit im Haupt­abschnitt beträgt 80 km/h, an den Weichen­verbindungen 40–50 km/h.

Notausgänge und Brandschutz

Entlang der neuen Strecke sind vier Not­ausstiege vorgesehen, die den Rettungs­weg­abstand von maximal 300 m einhalten:

Alle tragenden Bauteile haben eine Feuer­widerstands­klasse F90/R90. Rauch­abzugs­öffnungen mit insgesamt mindestens 4 × 16,8 m² Quer­schnitt sorgen im Brand­fall für eine rauch­freie Schicht von 2,5 m Höhe über 15 Minuten.

P+R und Erschließung

Am westlichen Bahn­steig­ende entsteht ein Bus­terminal mit 2 × 3 Halte­plätzen. Die benachbarte Park+Ride‑Anlage wird als Stahl­verbund­konstruktion auf Pfahl­gründung errichtet und bietet zunächst 80 Stell­plätze, die auf bis zu 160 erweiterbar sind. Vom Fußweg bis zum Bahn­steig­zugang sind es rund 300 m. Der östliche Ausgang schließt direkt an den Nord‑Süd‑Hauptweg des Forschungs­campus an. Die Reisezeit von Martinsried zum Marienplatz verkürzt sich von rund 29 Minuten mit dem Bus auf 21 bis 23 Minuten mit der U6.