Der U-Bahnhof Giselastraße in Schwabing steht vor seiner ersten Generalsanierung. Wie aus einer aktuellen Ausschreibung der Stadtwerke München (SWM) hervorgeht, soll der 1971 eröffnete Bahnhof zwischen 2028 und 2030 auf allen Ebenen modernisiert werden – im laufenden Betrieb, möglicherweise aber mit einer mehrwöchigen Vollsperrung im Sommer 2028.
Ein Bahnhof von 1971 am Ende seines ersten Lebenszyklus
Der U-Bahnhof Giselastraße ging am 19. Oktober 1971 in Betrieb und wird von den Linien U3 und U6 bedient. Der in Nord-Süd-Richtung unter der Leopoldstraße liegende Bahnhof mit Mittelbahnsteig trägt die gestalterische Handschrift von Paolo Nestler und dem U-Bahn-Referat. Nach über 50 Betriebsjahren entsprechen die technische Ausstattung nicht mehr den heutigen Anforderungen – hinzu kommen verschärfte gesetzliche und technische Regelwerke. Eine umfassende Sanierung ist damit unumgänglich geworden.
Möglicherweise zehn Wochen Vollsperrung im Sommer 2028
Die eigentlichen Bauarbeiten sind für die Jahre 2028 bis 2030 vorgesehen und sollen grundsätzlich unter laufendem Betrieb stattfinden – also überwiegend in den nächtlichen Betriebsruhen und unter abschnittsweisen Sperrungen einzelner Bereiche. Die SWM prüfen darüber hinaus, mehrere Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen entlang der U3/U6 zu bündeln. In diesem Fall wäre – unter Vorbehalt – eine rund zehnwöchige Vollsperrung der Station Mitte 2028 möglich (vorgesehen sind die Kalenderwochen 22 bis 32, also etwa von Ende Mai bis Anfang August 2028). Eine solche Bündelung würde viele Arbeiten beschleunigen, die im laufenden Betrieb nur Nacht für Nacht möglich wären.
Brandschutz, Beton und komplett neue Technik
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Brandschutz: An beiden Bahnsteigenden werden die Übergänge zum Sperrengeschoss abgetrennt, um im Brandfall eine rauchfreie Entfluchtung sicherzustellen. Am nördlichen Treppenaufgang ist eine raumhohe Einhausung vorgesehen, am südlichen eine Rauchschürze. Zusätzlich wird im Tunnel nördlich des Bahnsteigs eine Löschwasserbevorratung hergestellt und die bestehende Sprinkleranlage zurückgebaut.
Dazu kommen Beton- und Schadstoffsanierungen an den Außenwänden im Gleisbereich sowie an tragenden Wand- und Deckenelementen. Schadstoffbelastete Verkleidungen und Bodenbeläge in den Betriebs- und Technikräumen werden ausgetauscht. Praktisch die gesamte technische Gebäudeausstattung – Mittel- und Niederspannung, Telematik, Klima, Lüftung und Sanitär – wird erneuert; viele Komponenten werden an eine unterbrechungsfreie Stromversorgung angebunden. Bei der Fördertechnik sind 2028 der Austausch einer Fahrtreppe sowie die Erneuerung der Aufzugszuleitung geplant.
Höherer Bahnsteig, mehr Barrierefreiheit
Wie zuletzt schon am Goetheplatz wird auch in der Giselastraße die Bahnsteigplatte statisch ertüchtigt und um rund fünf Zentimeter angehoben, um den Ein- und Ausstieg für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste zu verbessern. An den Festtreppenabgängen an der Oberfläche werden die Brüstungen von 0,9 Meter auf 1,1 Meter erhöht – dort, wo unmittelbar Radwege angrenzen, sogar auf 1,3 Meter. Neue Bodenbeläge erhalten ein barrierefreies Leitsystem.
Neugestaltung: Die farbigen Säulen bleiben
Optisch folgt die Station dem Liniengestaltungskonzept der U3/U6. Die ursprünglichen Wand- und Deckenverkleidungen wurden bereits 2020 im Rahmen vorgezogener Maßnahmen entfernt – seitdem zeigen sich die Außenwände in Sichtbetonoptik. Das Konzept sieht nun eine optische Aufwertung dieser bestehenden Betonwände vor, den Erhalt der farbigen Säulen als Identitätsmerkmal sowie ein modulares Lichtkonzept mit LED-Technik. Hinzu kommen neue Möblierungs- und Ausstattungselemente. Die gestaltprägenden Säulenverkleidungen am Bahnsteig werden dabei saniert und erneuert.
Einordnung
Die Sanierung der Giselastraße reiht sich in ein umfassenderes Modernisierungsprogramm im Münchner U-Bahn-Netz ein, über das u-bahn-muenchen.de zuletzt im April berichtete. Auch die parallel laufenden Arbeiten an Goetheplatz und Poccistraße zeigen, in welchem Zustand sich viele der ältesten Münchner U-Bahnhöfe inzwischen befinden.
Die Pläne sind noch nicht endgültig; insbesondere die mögliche Vollsperrung 2028 steht ausdrücklich unter Vorbehalt.
Bildergalerie
Quelle
Vergabe-Bekanntmachung der Stadtwerke München zur Baulogistikplanung: SWM – Einkauf, Bekanntmachungen / Ausschreibungen.