Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hat am 2. Juni 2026 einen ersten Entwurf für das „Anpassungsprogramm“ des Jahresfahrplans 2027 vorgestellt – eine Vorlage, die nun in den Bezirksausschüssen diskutiert werden soll. Hintergrund ist eine Finanzlücke von 14 Millionen Euro: Steigende Kosten für Personal und Energie, wegfallende Landesförderung (darunter 2,5 Millionen Euro aus dem Luftreinhalteprogramm des Freistaats) und unsichere Einnahmen durch das Deutschlandticket belasten den Haushalt der MVG. Stadt München und Stadtwerke München bezuschussen den Betrieb zwar jeweils mit 130 Millionen Euro jährlich – doch diese Mittel seien ausgereizt, erläuterte Matthias Korte, Leiter des Mobilitätsmanagements. Die MVG und das Mobilitätsreferat haben dafür 27 verschiedene Szenarien geprüft. Die Hälfte der Einsparungen – rund sieben Millionen Euro – soll durch eine Reform des Innenstadtbusnetzes erzielt werden, der Rest durch weitere Anpassungen im Netz. Haltestellen sollen dabei nicht wegfallen; trotz aller Kürzungen erwartet die MVG sogar 1.000 zusätzliche Fahrgäste pro Tag. Der Stadtrat soll am 29. Juli über das Paket abstimmen; bei Zustimmung treten die meisten Änderungen zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 in Kraft. Alle Angaben entsprechen dem Planungsstand Mai 2026; Änderungen im Rahmen der Feinplanung sind möglich. Die neuen Liniennummern im Busnetz sind vorläufige Arbeitstitel.
U7: Nur noch an Schultagen, Südabschnitt gestrichen
Die größte Änderung im U-Bahn-Betrieb betrifft die U7, die bereits heute nur als Verstärkerlinie fährt. Ab Dezember verkehrt sie ausschließlich an Schultagen – morgens und in der späteren Hauptverkehrszeit – zwischen Sendlinger Tor und dem Olympia-Einkaufszentrum (OEZ). Der bisherige Abschnitt zwischen Sendlinger Tor und Neuperlach Zentrum entfällt vollständig; dort fahren ohnehin bereits die U2 und die U5. In den Schulferien wird der U7-Betrieb komplett eingestellt.
Tram: Linie 20 verdichtet, mehrere Linien angepasst
- Linie 19 & 21 – Linienast-Tausch: Die Linie 19 fährt im Osten wieder zur St.-Veit-Straße, die Linie 21 bedient künftig die Nordseite des S-Bahnhofs Berg am Laim. Ziel ist ein einheitliches Tag-/Nachtnetz und geringere Betriebskosten.
- Linie 20 – Verdichtung: Zu Vorlesungszeiten der Hochschule München gilt ein 5-Minuten-Takt zwischen Stachus und der Hochschule – bedingt durch das neue Strafjustizzentrum am Leonrodplatz.
- Linie 23 – Ausdünnung: Die HVZ-Verstärkung entfällt; künftig gilt zwischen Parzivalplatz und Münchner Freiheit ein 10-Minuten-Takt statt bisher fünf Minuten. Durch Überlagerung mit der verlängerten Linie 12 (Schwabing Nord ↔ Scheidplatz ↔ Romanplatz) bleibt zwischen Parzivalstraße und Schwabing Nord ganztägig ein 5-Minuten-Takt erhalten.
- Linie 25 – Mittags-Ausdünnung: Zwischen 9 und 13 Uhr gilt auf der gesamten Strecke (Max-Weber-Platz bis Großhesseloher Brücke) nur noch ein 10-Minuten-Takt statt bisher fünf Minuten.
- Nachtlinien N19/N27: Am Wochenende gilt künftig durchgängig ein 30-Minuten-Takt statt abschnittsweise 15 Minuten. Begründung der MVG: der etablierte U-Bahn-Nachtbetrieb mache die dichteren Verstärker überflüssig.
Busnetz: Neue Nummern, neue Routen, mehr Ausdünnungen
Den größten Umfang haben die Änderungen im Busnetz. Laut MVG wurde auf manchen Strecken bisher „heiße Luft durch die Gegend gefahren“ – Busse wenig ausgelastet und parallel zu U-Bahn-Linien unterwegs. Die letzte Grunderneuerung des Innenstadtbusnetzes liegt mehr als 20 Jahre zurück.
Neue und umstrukturierte Linien
- Linie 52 (bisher Sendlinger Tor – Tierpark): Neue Route ab Mariahilfplatz über Lilien-/Zeppelinstraße, Isartor und Marienplatz; drei neue Haltestellen in der nördlichen Au (Kreuzplätzchen, Paulanerplatz, Zwingerstraße). Endstation heißt künftig „Tierpark Hellabrunn“. Die bisherigen Haltestellen am Sendlinger Tor werden künftig durch die Linie 62 bedient.
- Linie 132: Verkürzt bis Isartor (nicht mehr bis Marienplatz); zwischen Isartor und Forstenrieder Park weiterhin in Betrieb, mittags (9–14:30 Uhr) nur noch im 20-Minuten-Takt.
- City-Ring-Linien 58/68 werden aufgelöst und durch zwei neue Linien ersetzt:
- Linie 100 (aus Linie 58): Silberhornstraße – Hauptbahnhof – Ostbahnhof als Zweirichtungslinie; Gelenkbusse.
- Linie 101 (aus Linie 68 + 184): Silberhornstraße – Hauptbahnhof – Arabellapark – Bruno-Walter-Ring als Zweirichtungslinie; Gelenkbusse.
- Expressbus X30 → Linie 64: Neue Route Lorettoplatz – Harras – Ostbahnhof – Arabellapark mit allen Unterwegshalten, 10-Minuten-Takt, Gelenkbusse. Schultags gibt es HVZ-Verstärker Ostbahnhof – Am Harras, die als Linie 133 weiter zur Theresienhöhe (Schwanthalerhöhe) führen.
- Linie 54: Verkürzt bis Harras (bisher Lorettoplatz); neue Haltestelle St. Achaz; Abschnitt Harras–Lorettoplatz übernimmt Linie 64. Montags bis samstags Buszug-Einsatz.
- Linie 153: Westlich verkürzt bis Trappentreustraße; neue östliche Verlängerung zum Karlsplatz (Stachus). Verstärkerfahrten zur Hochschule München im Winterhalbjahr entfallen.
- Linien 187, 189, 199 (Bogenhausen/Berg am Laim): Linie 187 nur noch Arabellapark – Richard-Strauss-Straße (Vorbereitung für Midibus-Autonomfahrbetrieb); Linie 189 neu ab S-Bahnhof Berg am Laim bis Unterföhring (ohne Daglfing); Linie 199 verlängert bis S-Bahnhof Berg am Laim.
- Expressbus X35 entfällt und geht in X36 auf: X36 fährt künftig Allach – OEZ (20-Min.-Takt) – Studentenstadt (10-Min.-Takt); Betriebsbeginn eine Stunde früher ab 5 Uhr. Linie 177 übernimmt den Abschnitt zur Alten Heide.
- Linie 267: Verlängerung über den Bahnhof Freiham (Bodenseestraße) zum Bildungscampus Freiham (montags bis samstags).
Weitere Taktanpassungen (Auswahl)
Zahlreiche weitere Linien erhalten schlechtere Takte oder Streckenkürzungen, darunter die Linien 57, 62/63, 139, 143, 145, 150, 151, 162, 164, 173, 180/181 und 185. Die Linien 174 und 179 werden ganz eingestellt; ihre Abschnitte übernehmen die Linien 171 bzw. 172. Eine der wenigen Verbesserungen: Linie 135 fährt samstags künftig im 10-Minuten-Takt statt bisher 20 Minuten. Die Linien 180/181/182 im Bereich Am Hart – Neufreimann – Kieferngarten werden neu strukturiert, um das östliche Freimann besser anzubinden; Linie 182 erhält ab September 2027 eine Angebotsausweitung für das Gymnasium Neufreimann.
Quellen
- Fahrplan 2027 – Anpassungsprogramm (Präsentation für die Bezirksausschüsse)
- tz.de (Julian Limmer, 2. Juni 2026): 14 Millionen Euro fehlen: MVG nimmt deutliche Änderungen an Fahrplan in München vor
- Süddeutsche Zeitung (Andreas Schubert, 2. Juni 2026): Wie die MVG Millionen einsparen will
- tramreport.de (2. Juni 2026): MVG-Fahrplan 2027: Umfassende Sparmaßnahmen geplant
Wo, soll das bei der MVG zu sehen sein?
MVG (Mai 2026): Fahrplan 2027 – Anpassungsprogramm (Präsentation für die Bezirksausschüsse)
Der erste Link (oben) ist nicht vorhanden, sondern führt auf die Startseite der MVG. Kann man die Präsentation für die Bezirksausschüsse trotzdem irgenwie bekommen?
Stimmt, den Link habe ich entfernt, der führte ins nichts. Die Präsentation ist allerdings nicht öffentlich verfügbar.