U-Bahn München Blog

21. November 2013

Münchner Fenster: Die Fahrgäste sehen fern

Autor: Frederik Buchleitner — Abgelegt unter: Betrieb,Fahrzeuge,Technik — 23:01

Bereits 2010 stellte die MVG die ersten Fahrgastinfo-Monitore in Zügen der U-Bahn-Baureihe A vor. Dass bis zum Fahrgasteinsatz drei Jahre vergingen, lag an langwierigen Ausschreibungs- und Genehmigungsverfahren; schließlich musste nachgewiesen werden, dass die neue Technik sich nicht auf die bisherige Fahrzeug- und Streckentechnik auswirkt oder sie beeinflusst.

Das neue „Münchner Fenster“ im A-Wagen 6340/7340 auf den ersten Runden im Fahrgastbetrieb

Das neue „Münchner Fenster“ im A-Wagen 6340/7340 auf den ersten Runden im Fahrgastbetrieb

Doch ab dem heutigen Donnerstag kann das „Münchner Fenster“ endlich loslegen. Nachdem am Morgen vor der Presse die neuen Informationsmonitore der U-Bahnen feierlich enthüllt wurden, ging heute gegen 19 Uhr der erste U-Bahn-Zug vom Typ A mit aktiviertem „U-Bahn-Fernsehen“ in den Fahrgasteinsatz auf die U6.

Andreas Orth, Geschäftsführer der mc R&D GmbH (Münchner Fenster) und MVG-Chef Herbert König enthüllen das neue Fahrgastinformationssystem (Bild: SWM/MVG)

Andreas Orth, Geschäftsführer der mc R&D GmbH (Münchner Fenster) und MVG-Chef Herbert König enthüllen das neue Fahrgastinformationssystem (Bild: SWM/MVG)

Wie bei den Trambahnen der Typen R2.2 Redesign, den Variobahnen S1.4 und S1.5 und dem neuen Avenio T1.6 sind die Doppelmonitore zweigeteilt: Der linke Bildschirm ist für Fahrgastinformation zuständig, während der rechte das sogenannte Infotainment zeigt. Auch in einigen R3.3-Wagen wurden die Bildschirme bereits nachgerüstet.

Pünktlich zum kommenden Fahrplanwechsel kann die MVG über neue Linien (wie hier dem X30) informieren

Pünktlich zum kommenden Fahrplanwechsel kann die MVG über neue Linien (wie hier dem X30) informieren

Der rechte Infotainment-Monitor zeigt in HD-Qualität Nachrichten, Service, Unterhaltung und (zur Finanzierung notwendige) Werbung. Eine Programmschleife besteht aus 15 Minuten, davon sind mindestens 80% redaktioneller Inhalt und maximal 20% Werbung. Die MVG füllt 15 Prozent der Sendezeit mit aktuellen ÖPNV-bezogenen Informationen (Fahrplanänderungen, Sonderverkehre, Baustelleninfos, besondere Tarifangebote).
Mehrmals täglich findet eine Aktualisierung der Programmschleife statt.

Der Fahrgastinformationsbildschirm zeigt bei U-Bahn und Tram den Linienverlauf mit den kommenden Haltestellen und wechselt kurz vor Erreichen der nächsten Haltestelle auf die dortigen Umsteigemöglichkeiten und informiert auch über in der Nähe liegende Sehenswürdigkeiten. Neu bei der U-Bahn ist, dass bereits teilweise die Anschlüsse in Echtzeit angezeigt werden. Die Daten werden über ein Datenfunkübertragungssystem durch sogenannte „Access Points“ (sinngemäß “Datentankstellen”) in die Züge übertragen. Parallel mit der Ausrüstung der Züge muss also auch die Infrastruktur entsprechend aufgebaut werden. Das Münchner U-Bahnnetz hat 35 dieser „Access Points” und bis Ende des Jahres sollen es deren 50 sein. Diese befinden sich an Endstationen, in Wendeanlagen sowie zunächst entlang der U3 und U6 vor allem in der Innenstadt. Daher sind für die umgerüsteten Züge als Einsatzschwerpunkt diese beiden Linien geplant. Planungsziel des Ausbaus sind 400 dieser „Access Points”; im kommenden Jahr soll bereits die Hälfte installiert sein. Mit jedem „Access Point” steigt auch die Zahl der Umsteigebahnhöfe, für die Anschlüsse in Echtzeit angezeigt werden. Für die Tram wird derzeit eine Lösung über den Mobilfunkstandard UMTS erarbeitet und voraussichtlich 2014 in Betrieb gehen.

Im linken Monitor werden für den kommenden Halt die nächsten Anschlussmöglichkeiten in Echtzeit angezeigt

Im linken Monitor werden für den kommenden Halt die nächsten Anschlussmöglichkeiten in Echtzeit angezeigt

Der rechte Bildschirm zeigt unter anderem aktuelle Nachrichten in Kooperation mit der ‚Süddeutschen Zeitung‘ oder der 'BR Rundschau'

Der rechte Bildschirm zeigt unter anderem aktuelle Nachrichten in Kooperation mit der ‚Süddeutschen Zeitung‘ oder der 'BR Rundschau'

Konzerttips, Filmkritiken, Nachrichten und andere Serviceinformationen wechseln sich mit MVG-Informationen (wie Fahrplanänderungen, Baustelleninfos und Tarifangeboten) und Werbung ab

Konzerttips, Filmkritiken, Nachrichten und andere Serviceinformationen wechseln sich mit MVG-Informationen (wie Fahrplanänderungen, Baustelleninfos und Tarifangeboten) und Werbung ab

Für die Auswahl der Inhalte setzte sich in einem Ausschreibungsverfahren die ‚mc R&D GmbH‘ gegen andere Bewerber durch. Dieser Anbieter ist auch für die Inhalte des „Berliner Fensters“ in den dortigen U- und Straßenbahnen verantwortlich. 

Trotz der Vielzahl von Umsteigemöglichkeiten an den großen Knotenpunkten werden diese übersichtlich dargestellt

Trotz der Vielzahl von Umsteigemöglichkeiten an den großen Knotenpunkten werden diese übersichtlich dargestellt

Fehlen die Echtzeitdaten, werden die Anschlusslinien - nach Verkehrsmittel geordnet - dargestellt

Fehlen die Echtzeitdaten, werden die Anschlusslinien - nach Verkehrsmittel geordnet - dargestellt

Aus den Straßenbahnen, Bussen und den C-Zügen der U-Bahn sind die automatischen Haltestellenansagen bereits bekannt. Diese Ansagen werden jetzt auch in den mit Informationsmonitoren nachgerüsteten Zügen der Baureihen A und B erschallen.

Der neue ASR-Bildschirm ersetzt die bisherige IBIS-Bedieneinheit

Der neue ASR-Bildschirm ersetzt die bisherige IBIS-Bedieneinheit

Bei der U-Bahn sind derzeit 15 Doppeltriebwagen der Type A mit insgesamt 240 Einzelbildschirmen ausgerüstet. Diese fahren voraussichtlich ab dem morgigen Freitag auf den Linien U3 und U6.
Nachdem die Technische Aufsichtsbehörde den Start des neuen Systems abgesegnet hat, werden nun alle Wagen, die noch mindestens zehn Jahre in Betrieb bleiben, nachgerüstet. Die 21 neuen Züge vom Typ C2, die bis 2015 ausgeliefert werden, sind bereits ab Werk ausgerüstet. Insgesamt geht es um ein Volumen von etwa 600 Wagen mit etwa 2000 Doppel-Monitoren und einem Zeitaufwand von ca. drei Jahren.
Bei der Trambahn werden ebenfalls alle modernen Züge mit Monitoren für das neue System ausgestattet. Jedes Wagenteil soll jeweils eine Einheit mit zwei wie bei der U-Bahn angeordneten Doppelbildschirmen (12 Zoll) bekommen. Derzeit liegt die Ausstattungsquote mit Monitoren bereits bei etwa 65 Prozent. Geplant sind in der Tramflotte insgesamt rund 750 Doppel-Monitore.

Text und Bilder: Frederik Buchleitner

2 Kommentare zu “Münchner Fenster: Die Fahrgäste sehen fern”

  1. Peter Dworak sagt:

    Daumen hoch für die Infos, was die aktuellen Fahrtsrecken betrifft!

    Daumen runter für die Nachrichten & Werbung… denn viel zu viele Menschen starren bereits in ihr Smartphone. Jetzt werden auch noch die anderen Fahrgäste mit Doppelmonitoren „bearbeitet“.

    Die zwischenmenschliche Kommunikation gerät immer mehr in den Hintergrund.

  2. U-Bahn in München und Nürnberg sagt:

    Hallo. In Nürnberg gibt es auch so einige Tafeln und das in AUTOMATISCHEN U-BAHNZÜGEN! Bis bald!

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