| Kurzinfo | |
|---|---|
| Objekt | Umbau und Modernisierung U-Bahnhof |
| Bahnhof | Sendlinger Tor / Sendlinger Tor |
| Linien | U1, U2, U3, U6 |
| Architektur | Raupach und Bohn |
| Lichtplanung | Ingo Maurer |
| Bauzeit | 2017–2023 |
| Inbetriebnahme | Dezember 2023 |
Der U-Bahnhof Sendlinger Tor gehört zu den meistfrequentierten Knotenpunkten im Münchner U-Bahn-Netz: Täglich nutzen rund 200.000 Fahrgäste den Bahnhof, 1.600 U-Bahn-Abfahrten werden hier täglich abgewickelt. Als Tauschpunkt zwischen vier Linien auf zwei Ebenen war er seit Jahren an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Von 2017 bis 2023 wurde der Bahnhof daher grundlegend umgebaut und erweitert – bei laufendem Betrieb.
Ausgangslage
Der Bahnhof Sendlinger Tor besteht aus zwei übereinander liegenden Ebenen: oben die Bahnsteige der U3 und U6, unten – versetzt angeordnet – die Röhrenbahnsteige der U1 und U2. Beide Ebenen waren ursprünglich nur über einen zentralen Bereich miteinander und mit der Oberfläche verbunden, was zu starker Überlastung in den Stoßzeiten führte. Zusätzlich entsprachen die Bahnsteige nicht mehr den Anforderungen an Barrierefreiheit.
Bereits 2012 hatte die MVG in einer Machbarkeitsstudie den dringenden Handlungsbedarf dokumentiert: Damals nutzten täglich rund 145.000 Fahrgäste den Bahnhof bei 1.350 Zugabfahrten täglich. Seit der Erweiterung zum Kreuzungsbahnhof 1980 hatten sich die Fahrgastzahlen mehr als verdreifacht. Die Kosten wurden damals auf rund 80 Millionen Euro geschätzt; bis zum tatsächlichen Baubeginn 2017 waren sie auf 150 Millionen Euro angewachsen, endgültig kostete das Projekt 155 Millionen Euro.
2013 wurde ein Gestaltungswettbewerb ausgelobt. Den Auftrag erhielt die Planungsgemeinschaft Raupach und Bohn; das Lichtkonzept wurde von dem Münchner Designer Ingo Maurer entwickelt. In den Jahren 2015 und 2016 begannen vorbereitende Maßnahmen wie Leitungsverlegungen, bevor am 13. Februar 2017 die eigentlichen Bauarbeiten starteten.
Erweiterungsbauten
Herzstück des Umbaus waren zwei neue Entlastungsbauwerke, die bergmännisch unter Einsatz von Baugrundvereisungen errichtet wurden: eines unter dem Sendlinger-Tor-Platz, das die U1/U2-Ebene mit dem Zwischengeschoss verbindet, und eines an der Blumenstraße mit direktem Ausgang zur Oberfläche. Die Vereisungen reichten dabei bis rund zehn Meter unterhalb des Grundwasserspiegels. Beide Bauwerke wurden 2018 und 2019 im Schutze der Vereisungen mit den bestehenden Bahnsteigröhren der U1/U2 verbunden.
Gemeinsam umschließen die beiden Neubauten rund 20.000 Kubikmeter – das entspricht dem Inhalt von etwa 130.000 Badewannen. Verbaut wurden rund 7.000 Kubikmeter Beton und 1.500 Tonnen Stahl. Auf drei Ebenen entstanden rund 3.000 m² neue öffentliche Fläche; der Bahnhof erweitert sich damit um eine Fläche in der Größenordnung des Sendlinger-Tor-Platzes selbst. Bei den Durchbrucharbeiten stießen die Arbeiter auf Metallverankerungen aus den originalen U-Bahn-Bauarbeiten der 1960er und 1970er Jahre, die in den Plänen nicht verzeichnet waren und zu Bauverzögerungen führten, wie Bauleiter Christoph Schaller berichtete.
Modernisierung und neue Ausgänge
Parallel zu den Erweiterungsbauten wurde der gesamte Bestand modernisiert. Im Laufe des Umbaus wurden rund 6.700 m² Natursteinboden aus spanischem Granit erneuert sowie 4.700 m² neue Wandverkleidungen montiert. Die Bahnsteige wurden um fünf Zentimeter angehoben, um an der Bahnsteigkante einen niveaugleichen Ein- und Ausstieg und damit vollständige Barrierefreiheit zu erreichen. Gegenüber dem Altbau entstanden dabei sechs zusätzliche Fahrtreppen und drei neue Aufzüge zur Oberfläche. Die Anlieferung großer Bauteile wie Rolltreppen und Bodenplatten erfolgte bevorzugt über das Schienennetz in den nächtlichen Betriebspausen.
Der Aufgang Richtung Müllerstraße wurde ab März 2021 um über zwei Meter auf acht Meter verbreitert, um eine zweite Rolltreppe je Fahrtrichtung zu integrieren. Die Arbeiten dort dauerten bis April 2022. Das Zwischengeschoss erhielt im Dezember 2023 mit der Eröffnung der Ladenflächen seinen Abschluss: Auf insgesamt 1.230 m² entstanden ein großer Supermarkt und elf weitere Geschäfte – gegenüber lediglich 210 m² Verkaufsfläche im Altbau. Das offizielle Abschlussfest fand im September 2024 statt.
Gestaltungskonzept
Das Farb- und Lichtkonzept unterscheidet die drei Ebenen klar voneinander: Die U1/U2-Bahnsteige erhielten helle Böden und eine gelbe Decke, die U3/U6-Bahnsteige helle Böden mit blauer Decke, das Sperrengeschoss eine dunkle Deckengestaltung. Die emaillierten Wandverkleidungen in Blau, Gelb und Schwarz sowie die Granitböden prägen das neue Erscheinungsbild. Auf dem U3/U6-Bahnsteig wurde bewusst ein Pfeiler in seiner ursprünglichen Keramikverkleidung belassen – als gestalterischer Bezug zum AIDS-Memorial an der Oberfläche des Sendlinger-Tor-Platzes. Das Lichtkonzept stammt von Ingo Maurer.
Chronologie
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| 2012 | Machbarkeitsstudie der MVG: Kosten 80 Mio. Euro geschätzt |
| 2013 | Gestaltungswettbewerb |
| 2015–2016 | Vorabmaßnahmen: Leitungsverlegungen und Baumfällungen |
| 13. Feb. 2017 | Baubeginn |
| 2018–2019 | Rohbau beider Erweiterungsbauwerke fertiggestellt; Anschlüsse an bestehende Bahnsteigröhren hergestellt |
| 30. April 2020 | Erweiterungsbauwerk Sonnenstraße in Betrieb |
| 4. Nov. 2020 | Erster umgebauter Oberflächenausgang in Betrieb |
| März 2021 | Sperrung Aufgang Müllerstraße für Verbreiterung auf 8 m |
| April 2022 | Wiedereröffnung Aufgang Müllerstraße mit zweiter Rolltreppe je Fahrtrichtung |
| Dezember 2023 | Eröffnung Zwischengeschoss mit Ladenflächen; Abschluss der Bauarbeiten |
| September 2024 | Offizielles Abschlussfest |
Blog-Beiträge
- Machbarkeitsstudie Erweiterung U-Bahnhof Sendlinger Tor (April 2012)
- Umbau Sendlinger Tor: Am Montag geht's los (Februar 2017)
- Sendlinger Tor: der Umbau nimmt Gestalt an (November 2019)
- Infoveranstaltung Sendlinger Tor (Juni 2021)