Vorstellung Bahnhofsumbau Münchner Freiheit

7. Dezember 2009

Münchner Freiheit nach der Neugestaltung Nach rund 20 Monaten Bauzeit und gut 38 Jahre nach seiner Eröffnung wurde der neugestaltete Bahnhof Münchner Freiheit am heutigen 7. Dezember offiziell vorgestellt. Insbesondere das neue Farb- und Lichtkonzept von Ingo Maurer lassen den Bahnhof rechtzeitig zur Eröffnung der neuen Tramlinie 23 in neuem Glanz erstrahlen.

Die Stadtwerke München haben im Auftrag der Münchner Verkehrsgesellschaft die Schwabinger Station aus den Anfangsjahren der U-Bahn in den vergangenen rund 20 Monaten umfassend saniert, neu gestaltet, brandschutztechnisch ertüchtigt und barrierefrei ausgebaut. Die Planung für den Umbau übernahm das Baureferat der Landeshauptstadt München; das neue Licht- und Farbkonzept stammt von dem weltweit renommierten Schwabinger Lichtdesigner Ingo Maurer. Während die bestehende Architektur weitgehend erhalten blieb, wurde das sichtbar in die Tage gekommene Erscheinungsbild der viergleisigen U-Bahnstation vollständig überarbeitet. Die Modernisierung kostete insgesamt rund 20 Millionen Euro und ist damit nach dem Umbau am Marienplatz das zweitgrößte Umbauvorhaben an einem bestehenden U-Bahnhof im Münchner Untergrund.

Münchner Freiheit nach der Neugestaltung Im sichtbaren Bahnteigbereich wurde nahezu alles erneuert, was sich auf den Bahnsteigen befindet: Bahnsteigbelag, Bahnsteigmöblierung, Wandverkleidungen, Beleuchtung und Bahnhofsdecke. 11.350 Natursteinplatten an Boden und Wänden, 1.300 gelbe Wandelemente sowie 3.200 Spiegelelemente und 204 Lichtkassetten an den Decken wurden insgesamt verbaut.
Zudem wurde das gesamte Zwischengeschoss umgebaut und strahlt nun in neuem Glanz. Das Ergebnis wertet den U-Bahnhof sichtbar auf: Gelbe Wände, blau illuminierte Säulen und Spiegel als Deckenverkleidung sorgen für ein attraktives Erscheinungsbild, das auf Helligkeit, Transparenz und Lebendigkeit abzielt.

Münchner Freiheit nach der Neugestaltung Grund für die Sanierung war aber weniger die optische Aufpolierung des Bahnhofes, sondern vielmehr technische Gründe: Bei dem 1971 eröffneten und von etwa 50.000 Fahrgästen am Tag stark frequentierten Bahnhof waren Arbeiten an dem Beton der Wände und Decken nötig, außerdem musste das Brandschutzkonzept den heutigen Standards angepasst werden. So wurde an der Münchner Freiheit, die nur über einen zentralen Aufgang zur Oberfläche verfügt, ein heute vorgeschriebenes davon unabhängiges Fluchttreppenhaus nachgerüstet, über das der Bahnhof verlassen werden kann, falls die normale Treppenanlage verraucht ist. Außerdem wurde Rauchschürzen installiert, die zum Teil fest montiert, zum Teil aber auch zusammengerollt sind und sich im Brandfall durch Rauchmelder ausgelöst auf eine Höhe von etwa 2 Meter über dem Fußboden absenken.

Münchner Freiheit nach der Neugestaltung Da durch diese umfangreichen Arbeiten die bestehenden Wandverkleidungen ohnehin demontiert werden mussten, wurde entschieden, bei dieser Gelegenheit auch das optische Erscheinungsbild zu überarbeiten und gleichzeitig den Bahnhof auch mit einem neuen Leitsystem und einer um 5cm erhöhten Bahnsteigkante aufzuwerten. Dafür wurde der international rennomierte Schwabinger Lichtdesigner Ingo Maurer, der in München bereits zwei Bahnhöfe, darunter den Bahnhof Westfriedhof, gestaltet hat, engagiert.

Maurer sieht sein Werk als "Reaktion auf das, war vorher war: Absolute Tristesse", und hatte das Ziel, den Bahnhof in das genaue Gegenteil zu verwandeln. Dabei hatte er die Auflage, die blauen Säulen zu übernehmen, und hat sich für die Wände schnell für gelb,der Komplementärfarbe zur blauen "Farbe des Immatriellen", entschieden. Maurer hätte sich das gelb dabei aber noch leuchtender gewünscht. Im Gegensatz zum Westfriedhof, wo sich der Besucher durch das Lichtkonzept beschützt fühlen soll, soll er sich an der Münchner Freiheit "angetörnt fühlen". Im Sperrengeschoß sind die Farben bewusst dezenter gehalten, weil durch die Läden bereits eine gewisse Unruhe erzeugt wird.

Ingo Maurer an der Münchner Freiheit Ingo Maurer
im Gespräch
Maurer sieht aber seine Arbeit auch als Kompromiss, weil er einige Vorstellungen beim Baureferat nicht hatte durchsetzen können. Dabei beklagte er vorallem, dass er als Leuchtmittel nur normale Neonröhren einsetzen durfte, was ihn stark eingeschränkt habe, weil er den Bahnhof eigentlich noch deutlich kräftiger und provokativer gestalten haben wolle. Hier hätte er gerne Leuchtmittel mit einer ungleichmäßigen Helligkeitsabgabe verwendet. Auch die Bahnsteigmöblierung entspricht nicht ganz seinen Vorstellungen. Ansonsten sei die Zusammenarbeit aber sehr gut gewesen. Er ist jedenfalls mit dem Ergebnis trotz aller Kompromisse sehr zufrieden, und hofft, dass die Fahrgäste das ähnlich sehen, auch wenn es vielleicht noch "etwas Entwöhnung" brauche.

Auch Herbert König bestätigte die gute Zusammenarbeit, wies aber in Zusammenhang mit der Leuchtmittelfrage darauf hin, dass angesichts der Betriebskosten leider nur einheitliche Neonröhren für die Gestaltung der Bahnhöfe in Frage kommen, da besondere Leuchtmittel im Unterhalt zu teuer seien. Die Wände sollen laut König künftig ein- bis zweimal im Jahr gereinigt werden, was Maurer als völlig übertriebenen "Putzwahn" bezeichnete, da die Wände durch sich ablagenden Staub an Plastizität nur gewinnen würden und Staub doch schön sei.

Münchner Freiheit nach der Neugestaltung Ebenfalls völlig neu gestaltet wurde auch das Ladenangebot im Zwischengeschoß der Münchner Freiheit. Dieses wurde bisher neben einer Apotheke und einem Bäcker von einem Ableger eines Kaufhauses dominiert. Im Zuge der Arbeiten wurde die Ladenaufteilung kleinräumiger gestaltet und die Ladenflächen erweitert, was durch höhere Mieteinnahmen auch einen Teil der Kosten für den Umbau ausgleicht. Dem Fahrgast steht jetzt neben einer Bäckerei und einem Geschäft für gesund belegte Brote auch ein Pizza- und Dönerladen und ein großer Zeitungsladen sowie einige weitere Einzelhandelsgeschäfte und wie gehabt die Apotheke zur Verfügung.

1