U-Bahn München Blog

29. Mai 2010

Party-U-Bahn Reloaded

Autor: Florian Schütz — Abgelegt unter: anderes — 00:21

Im November 2007 habe ich ja schon einmal davon berichtet, wie es ist, wenn man in der U-Bahn hemmungslos angegafft wird. Am Pfingstwochenende war es nun wieder soweit – die Party-U-Bahn fuhr wieder!

Fahrt in der Party-U-Bahn: Take the A-Train Dieses Mal stand die Fahrt unter dem Motto „Take the A-Train“, was auf einen von Billy Strayhorn komponierter Jazzstandard anspielt. Dieser wiederum beschreibt musikalisch eine Fahrt der Linie A der New York City Subway, die von Brooklyn nach Manhattan und Harlem führt.

Ganz so weit führte uns die Fahrt nicht, aber sechs Stunden durch das U-Bahn-Netz sind auch ein ganz schönes Stück.

Fahrt in der Party-U-Bahn: der Organisator Der Vorstand der Münchner U-Bahn-Freunde feierte außerdem in diesem Zug seinen Geburtstag, weswegen ein Zugende mit „Einer von uns wird 40“ sowie einem „Happy Birthday“-Schriftzug beschildert war. So begann auch die Fahrt am Kieferngarten zunächst mit einem Geburtstagsständchen aller Anwesenden, anschließend ging es in dem leicht umgebauten A-Wagen 101 auf große Fahrt.

Auch der Wagen selbst feierte wenige Tage zuvor Anfang Mai übrigens seinen 40. Geburtstag – als erster der A-Wagen aus der Serienproduktion und als ältester noch in Betrieb befindlicher Wagen.

Fahrt in der Party-U-Bahn: die Tanzfläche Im Innenraum gab es einige Überraschungen: so wurden zwei Sitzgruppen vorrübergehend ausgebaut, um im Clubwagen eine Tanzfläche zu schaffen, auf der zur Musikauswahl der drei DJs getanzt werden konnte.

Ebenso war die Beleuchtung dort nicht ganz auf dem normalen langweiligen Niveau, die Organisatoren haben sich hier einiges einfallen lassen, um die Atmosphäre mal ganz anders zu gestalten: nur Grundbeleuchtung aus den Leuchtstoffröhren, ansonsten Schwarzlicht, LED-Beleuchtung sowie Lichtschläuche an den Decken. Die über einen Umformer aus dem Bordnetz des Zuges versorgte Soundanlage sorgte für satten Beat die ganze Fahrt über im Südwagen 7101.

Fahrt in der Party-U-Bahn: der Speisewagen Auch im Nordwagen 6101 gab es einige temporäre Anpassungen: da es sich um den Buffetwagen handelte, wurden zur besseren Erreichbarkeit desselben einige Trennscheiben am Wagenende entfernt, damit das Gedränge um das teils sehr originelle Kuchenbuffet nicht zu eng wurde.

Außerdem gab es ein absolutes Novum: Tischplätze! Sechs Vis-à-Vis-Sitzgruppen wurden kurzerhand zu einem Speisewagen umfunktioniert. Hier wurden eigens hierfür angefertigte Tische an den Halterungen der Mülleimer befestigt, hier konnte also ganz gemütlich Kaffee und Kuchen genossen werden.

Fahrt in der Party-U-Bahn: Durchfahrt am Marienplatz Entsprechend staunende Blicke ernteten daher auch die Aufenthalte in den Stationen: die Durchfahrten an den zentralen Innenstadtbahnhöfen mit sattem Musikprogramm und wummernden Bässen sorgten nicht nur einmal für erstaunte Blicke der wartenden Fahrgäste sowie des „normalen“ Betriebspersonals. Teilweise wurden wir sogar als touristische Attraktion fotografiert: wie oft sieht man schließlich schon mal eine Party-U-Bahn. Bei den Pausen an den Wendebahnhöfen gab es daher auch immer wieder Fragen neugieriger Passanten zu beantworten, was uns allen sichtlich Spaß machte. Leider gibt es diese Fahrten viel zu selten, öffentlich sind sie zudem auch nicht. Das lassen die Versicherungsbestimmungen auch nicht so ohne weiteres zu.

Alles in allem war es auch dieses Mal eine sehr gelungene Fahrt, die knapp sechs Stunden im Zug vergingen wie im Flug. Vielen Dank auch an unsere Fahrer, beide Führerstände waren stets besetzt, um auch kurze Wendezeiten problemlos zu ermöglichen.
Für alle Interessierten hier die grobe Fahrtroute unseres Zuges:

Dem Fahrer über die Schulter geblickt KieferngartenMünchner FreiheitMarienplatzHarras (Wende) – Münchner FreiheitScheidplatzOlympia-Einkaufszentrum (Pause und Wende) – ScheidplatzHauptbahnhofInnsbrucker RingNeuperlach Zentrum (Wende) – Innsbrucker RingMax-Weber-PlatzLehel (Wende) – Max-Weber-PlatzArabellapark (Wende und Pause) – Max-Weber-PlatzHauptbahnhofSchwanthalerhöhe (Wende und Weiterfahrt über Betriebsgleis unter der Theresienwiese zur U3/U6) – Implerstraße (Wende) – MarienplatzMünchner FreiheitKieferngarten (Pause)- Garching-ForschungszentrumMünchner Freiheit (Wende) – ScheidplatzHarthof (Wende) – ScheidplatzMünchner FreiheitMarienplatzSendlinger Tor (Wende) – MarienplatzMünchner FreiheitKieferngarten

Wer das jetzt mit dem Finger auf dem Netzplan nachfahren möchte: viel Spaß, macht in Echt mehr Spaß :)

Am Ende möchte ich nochmals auf den Artikel zur letzten Fahrt hinweisen, einiges davon (insbesondere der Teil mit dem angegafft werden) trifft auch dieses Mal zu 100% zu:
» 18. November 2007: Wie man es schafft, in der U-Bahn hemmungslos angegafft zu werden

Weitere Impressionen

Fahrt in der Party-U-Bahn: warten auf die Weiterfahrt am Harthof Fahrt in der Party-U-Bahn: Wende am Arabellapark Fahrt in der Party-U-Bahn: warten auf die Weiterfahrt am OEZ Fahrt in der Party-U-Bahn: auch die Zugzielanzeiger wissen Bescheid

 

C-Zug 616 auf freier Strecke nördlich Studentenstadt Fahrt in der Party-U-Bahn: Take the A-Train Fahrt in der Party-U-Bahn: Blick in den Clubwagen Fahrt in der Party-U-Bahn: leckeres U-Bahn-Kuchen-Buffet

 

16. Mai 2010

ÖKT: 3 Millionen zusätzliche Fahrten im MVG-Netz

Autor: Florian Schütz — Abgelegt unter: Betrieb — 19:48

Nach fünf Tagen Rekordeinsatz zum 2. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) zieht die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) eine positive Bilanz: U-Bahn, Bus und Tram haben das hohe Fahrgastaufkommen dank Angebotsverdichtung und Sonderschichten in allen Bereichen nahezu reibungslos bewältigt. Das städtische Verkehrsunternehmen zählte von Donnerstag bis Samstag täglich eine Dreiviertelmillion Fahrgäste zusätzlich. Einschließlich Mittwochabend und Sonntagvormittag dürften insgesamt rund 3 Millionen Fahrten mehr zusammenkommen. Von der Größenordnung her entspricht die Zahl der zusätzlich registrierten Fahrgäste damit dem zum Oktoberfest üblichen Kundenansturm, allerdings über nur fünf Tage verteilt; die Wiesn dauert bekanntlich mehr als zwei Wochen.

Besucherandrang beim 2. Ökumenischen Kirchentag an der Messestadt West Andrang an der MesseDas zusätzliche Fahrgastaufkommen fiel insgesamt etwas höher aus als geplant. Die ÖKT-Teilnehmenden waren sehr mobil und wechselten häufig zwischen den Veranstaltungsorten. Ihr Mobilitätsverhalten unterschied sich damit deutlich von Besuchern anderer typischer Großevents: Messegäste und Fußballfans zum Beispiel haben ein festes Ziel vor Augen, brechen üblicherweise fast zeitgleich auf und treten nach Abschluss der Veranstaltung gemeinsam die Rückfahrt an. Die ÖKT-Besucher sorgten dagegen – wie erwartet – für ein „wellenartiges“ Fahrgastaufkommen über den ganzen Tag hinweg. Vor diesem Hintergrund hatte sich die MVG dafür entschieden, Bus und Tram sowie die U-Bahnlinie U2 während des ÖKT generell zu verstärken. Das Konzept ging auf: Das MVG-Angebot erwies sich an allen Tagen als bedarfsgerecht.

Größere Kapazitätsengpässe traten während des gesamten ÖKT nicht auf. Einzelne U-Bahnhöfe wie Theresienwiese mussten allenfalls für wenige Minuten geschlossen werden, um Überfüllungen zu vermeiden. Wie erwartet war besonders die U-Bahnlinie U2 zeitweise sehr stark ausgelastet. Wegen des verdichteten Angebots (2 bis 3 Züge pro 10 Minuten) kam es aber nur selten zu längeren Wartezeiten.

Die im MVG-Netz eingesetzten Mitarbeiter erhielten aus den Reihen der ÖKT-Teilnehmenden viel spontan geäußertes Lob für ihre Hilfsbereitschaft und den nahezu reibungslosen Betrieb. Und auch ÖKT-Geschäftsführer Martin Stauch zieht ein positives Fazit: „Alles ist wie am Schnürchen gelaufen: U-Bahn, Bus und Tram haben den großen Andrang sehr gut bewältigt.

 
 

Quelle:

MVG-Pressemitteilung vom 16. Mai 2010: ÖKT: 3 Millionen zusätzliche Fahrten im MVG-Netz

8. Mai 2010

Paolo Nestler – Ein Nachruf

Autor: Florian Schütz — Abgelegt unter: Geschichte,U-Bahnhöfe — 22:26

Vor wenigen Wochen ist einer der Pioniere der Münchner U-Bahn im Alter von 89 Jahren gestorben: Professor Paolo Nestler. Obwohl der Name vermutlich wenigen etwas sagt, kennt jeder Münchner zahlreiche seiner Bauwerke: Paolo Nestler zeichnet sich für eine Vielzahl an U-Bahnhöfen in München verantwortlich, darunter fast alle des 1971 eröffneten ersten Abschnitts der U6.

Die Liste der Bahnhöfe, für deren Gestaltung er sich verantwortlich zeichnet, ist lang:



Die meisten davon sind Teil der gemeinsamen Strecke der U3 und U6, bis auf Mangfallplatz sind sogar alle Teil der U6. Diese Linie ist also in besonderer Weise vom Werk Paolo Nestlers geprägt. Aus heutiger Sicht wirken viele der Bahnhöfe immer noch optisch ansprechend, auch wenn sie mittlerweile fast 40 Jahre alt sind. Anders als bei den ebenfalls sehr gleichartig gestalteten Bahnhöfen der 1980 eröffneten U8/1 haben sie einen gewisse Nüchternkeit behalten, die nicht altbacken wirkt. Die farbenfrohen Unterscheidungsmerkmale der großflächig mit glasierten Keramikelementen verkleideten Säulen wirken als frische Farbklekse als heiterer Kontrapunkt zu den sonst oft grauen Wänden.
Mit seinem Gestaltungsvorschlag gewann er im Dezember 1965 den ersten Preis des ausgelobten Architektenwettbewerbs. Sein Konzept der zweckmäßig und schlicht eingerichteten Bahnhöfe zusammen mit der einfachen Unterscheidungsmöglichkeit der Bahnhöfe durch Farb- und Formkodierung der Säulen konnte die Jury überzeugen.

Am Klinikum Großhadern hat Paolo Nestler am südlichsten Bahnhof der U6 nochmals ein Zeichen gesetzt: in der Tradition der Innenstadtbahnhöfe sind auch hier die Säulen großflächig verkleidet, die Decken mit Querschürzen versehen sowie die Wände mit großen Wandpaneelen verkleidet. Im Zeichen der Zeit hat er den Bahnhof jedoch deutlich farbenfroher gestaltet.

Am Mangfallplatz wiederum ist ihm durch Zurücknahme der Gestaltungmerkmale konzentriert an einige Stellen etwas ganz anderes gelungen: eine grandiose Raumwirkung, die Betonung der Zugangsanlagen mit freundlichen Farben sowie eine interessante Decken- und Lichtgestaltung kombiniert mit der nüchternen Wirkung der originalbelassenen Bohrpfahlwände runden das positive Gesamtbild ab.

Doch nicht nur mit U-Bahnhöfen hat sich Paolo Nestler im Münchner Stadtbild verewig. Der 1920 in Bergamo geborene Architekt, Raumplaner und Designer zeichnet sich auch verantwortlich für den 1956-1958 errichteten Erweiterungsbau des Deutschen Museums, die Innengestaltung des Hypo-Hauses sowie die Zentrale der Kreissparkasse am Sendlinger-Tor-Platz. International am bekanntesten ist vermutlich die Innengestaltung sowie die Möbelentwürfe für das Foyer des UN-Sicherheitsrats in New York City.

Den Münchnern wird Paolo Nestler vermutlich noch viele Jahrzehnte in Form seiner U-Bahnhöfe erhalten bleiben. Denn bei den kommenden Renovierungen der alternden Bauten wird nicht so viel Aufwand betrieben werden wie bei der Umgestaltung des U-Bahnhofs Münchner Freiheit, der aus mehreren Gründen aufgewertet werden sollte.
Wer in der nächten Zeit durch einen der oben abgebildeten Bahnhöfe kommt, sollte vielleicht einen Moment inne halten und das Bauwerk etwas auf sich wirken lassen.